Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 685 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 685 schaft gezogen. Es ist nicht nur das Aktienkapital der Niederdeutschen Bank in Höhe von 12 Millionen Mark als verschwunden anzusehen, sondern es sind auch gegen 60 Millionen Mark Einlagen und Schulden der Bank bei diesem Zusammenbruch in Betracht zu ziehen, der in traurigster Weise an das Ende der Pommernbanken und der Leipziger Bank erinnert. Fünf Gründungen der Niederdeutschen Bank sind neuerdings in Konkurs geraten, und die Gefahr weiterer Konkurseröffnungen über die sonstigen Gründungen der Niederdeutschen Bank erscheint noch nicht abgewendet. Kürzlich wurde der stellvertretende Direktor Jose p h S ch m i t t verhaftet, nachdem schon vorher die beiden persönlich haftenden Gesellschafter I u l i u s O h nt und Robert Sa u e, der Syndikus der Gesellschaft, Or. für. August N olden, und der Handelssachverstündige, Direkt o r Siegfried H a r t w i g, sestgenommen worden sind. Den Herren Ohm und Laue werden insbesondere Verfehlungen gegen das Depotgesetz und betrügerische Manipulationen zur Last gelegt, die übrigen sind der Beihilfe verdächtig. Wie hätte die antisemitische Presse getobt, wenn bei diesem entsetzlichen Bankkrach Juden die Leiter des Unternehmens gewesen wären, und nicht fast ausnahmslos Männer, die sich arischen Ursprungs rühmten und ebenso wie früher die Terlinden, Schmidt, Exner, Sauden, Schultz und Romeick u. a. m. aus der Religion ein Geschäft machten, um durch angebliche Frömmigkeit Vertrauen zu erringen. Bon dem Direktor Ohm wird berichtet, daß er nach den Hausandachten in dem eigenen Betsaal seiner Billa mit seinen Getreuen nach Monaco gefahren fei, um dort von dem Gelde derjenigen in Saus nnh Braus zu leben, die ihm ein allzu weitgehendes Vertrauen entgegengebracht hatten. Einzelne Anrisemitenblätter haben ihn trotz seiner bekannten Gesinnungen dadurch von sich abzuschütteln und mildernde Gründe für Ohm dadurch zu beschaffen gesucht, daß sie behaupten, sein fachmännischer Ratgeber sei der jetzt mitverhaftete ehemalige Handelsschuldirektor Siegfried Hartwig, ein galizischer Jude, gewesen. Wieweit Hartwig eine Mitschuld trifft, steht noch gar nicht fest, sondern nur, daß er aus Galizien stammt und sich früher zum Judentum bekannt hat, jetzt aber .Katholik ist. Er ist also weder unser Landsmann noch unser Glaubens-