Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Antisemitismus in der Sommerfrische
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 667 (sequence 7)
- Language
- German
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Äruiicuiitlsmuö in bei ^ommer)ii}d)C. alle Hochachtung vor den vielen kleinen Leuten des Mittelstandes, die ohne viel Geld sich ihrer Sommerfrische freuen und ohne Neid und Haß auf diejenigen blicken, die sich mehr leisten können als sie. Gar kein Verständnis habe ich aber für diejenigen, mit scheelem Auge auf die schauen, die es sich wohl sein lassen, weil sie es dazu haben und deshalb ein Recht darauf haben. Ich kann mich sehr wohl in die Seelenstimmung dieser Menschenklasse hineinversetzen. Es sammelt sich in dem Herzen der unter hartem Schicksal Leidenden eine Fülle von Haß und Wut, und harrt nur des Objekts, gegen das sie losgelassen werden darf. Denn irgendwie und gegen irgendwen muß doch das gepreßte Gemüt sich Luft schaffen! Aber gegen wen, etwa gegen den Vater Staat, der seine Untergebenen in eine solche Lage bringt? Der hat seine Kindlein zu gut erzogen, als daß sie es wagen dürften, wider den Stachel zu koken! Oder es so machen, wie es so viele Tausende Unzufriedener machen, zur politischen Opposition übergehen, womöglich gar zu den Sozialdemokraten? Auch nur mit dem Gedanken zu spielen, wäre Hochverrat und Verbrechen. Da bleiben eben nur noch die Juden übrig, an denen darf sich jeder reiben. „Das ist ehrenvoll und bringt Gewinn", billig und schmutzt nicht. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der jugendreinen Bäder. . i < Aber in einem Punkte find die Herrschaften, die sonst nicht mit den Juden ein und dieselbe Luft einatmen wollen, milderen Regungen zugänglich. Eigentümlicherweise liegen diese kleinen Antisemitennester fast immer in unmittelbarer Nähe von renommierten und natürlich auch von Juden frequentierten Plätzen. So Borkum in der Nähe von Norderney, Schwarzbach in der Nähe von Flinsberg, Tabarz und Finsterbergen in der Nähe von Friedrichsroda, auch Bansin in der Nähe vogr Heringsdorf. Diese kleinen Plätze aber bieten wenig an Komfort und Amüsement. Die Kurverwaltung bedankt sich bestens dafür, teures Geld für Leute, die wenig genug sitzen lassen, auszugeben. In den „Judenbädern" aber gibt es Konzerte, Reunion usw. in Hülle und Fülle. Da zeigt sich dann eine andere Eigenschaft des Antisemitismus in den Kurorten, das Nassauertum nämlich in seiner schönsten Reinkultur. Schon eine Stunde vor Beginn