Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Graf Camillo Cavour und die Juden
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 656 (sequence 14)
- Language
- German
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656 ^Tn iJtuijUftrit uiciuj. an ba§ Königreich Italien hervorzurufen. Dies war die einzige Mission Finzis für Cavours Politik, welche keinen Erfolg hatte, wohl hauptsächlichweil der Boden für dies kühne Projekt durch das in Neapel seit längerer Zeit bestehende Geheimkomitee nicht genügend vorbereitet war. Trotzdem hörte Finzi nicht auf, im Interesse der nationalen Sache, soweit es nur irgend anging, zwischen Cavour und Garibaldi zu vermitteln. Besonders Lat er dies, als nach der Uebergabe Nizzas an Frankreichs im Jahre 1861 der Zwiespalt zwischen den beiden großen Italienern eine persönliche Form angenommen Hatte. Eine ähnliche Natur wie die Finzis war die des Dichters, Journalisten und Verschwörers gegen die österreichische Vorherrschaft in Italien, David Levis, aus dem Städtchen Chieri in Piemont gebürtig. Obwohl ursprünglich Republikaner und in der Kammer zur äußersten Linken gehörig, ließ er sich doch mehrfach von Cavour zu politischen Missionen verwenden. Während in bezug auf die bisher behandelten Persönlichkeiten behauptet werden könnte, sie wären dem großen italienischen Staatsmann unter vielen Hunderten von anderen zufällig in den Weg geraten und er hatte sie nicht gut entbehren können, trotzdem sie Juden waren, muß man von Isaak Artom, dem allzu bescheidenen Ghettosprößling des weinberühmten Städtchens Asti in Piemont, umgekehrt sagen, er wurde unter Hunderten von Mittelmäßigkeiten durch den scharfblickenden Ministerpräsidenten Cavour in seinem Werte erkannt und zu sich emporgezogen. Hatte doch von seinem niedrigen Standpunkte aus das Organ der piemontesischen Klerikalen, die „Armonia", ganz recht, als es, um Cavour zu kränken, im Juli 1860 einen gegen seine freisinnige Kirchenpolitik gerichteten, heftigen Artikel betitelte: „Graf Cavour und sein Isaak/' Die Vertrauensstellung, welche der selten talentierte italienische Diplomat jüdischen Glaubens bei seinem Vorgesetzten genoß, war dadurch deutlich gekennzeichnet. Was aber das klerikale Organ nicht erwartet hatte, das geschah! Nicht nur, daß Cavour die Mitarbeiterschaft eines Juden an der politischen Wiedergeburt seines Vaterlandes nicht verleugnete, scheute er sich auch nicht, ihm öffentlich ein glänzendes Anerkennungszeugnis auszustellen, von dem auch heute noch, nach einem halben Jahrhundert, schwer zu sagen ist,