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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 654

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Graf Camillo Cavour und die Juden
Date
1910-10-01
Page
654 (sequence 12)
Language
German
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654 Jrn deutschen Reich. davon durchdrungen, daß die von Cavour vertretene Politik den Interessen Italiens am besten entspräche, und in fast täglichem Gedankenaustausch mit seinem Meister, bis an dessen allzu frühen Tod, hat er den Ideen des großen Staatsmannes in Tausenden von Artikeln den reinsten Ausdruck verliehen. Dabei war Giacomo Dina keineswegs ein Schein- oder Auchjude, sondern war es mit allen Fasern seines Herzens und Gemütes, ev, der unter der aufreibenden journalistischen Tätigkeit noch Zeit fand, Material zu einem Werke über den Einfluß des Talmudismus, der europäischen Kultur und der philosophischen und literarischen Ideen der anderen Völker auf die jüdische Literatur zu sammeln, ein Werk, das leider nicht zustande kam! Kärglichbesoldeter Gemeindebeamter sowie Lehrer an der Ghettoschule in Turin, begann er, kaum daß die Zensur im Jahre 1847 dies gestattete, Artikel zugunsten der Judenemanzipation zu schreiben. Und er war eben im Begriff, an die Spitze eines Vereins und einer Wochenschrift, ähnlich der vorliegenden, zu treten, als im März 1848 die neue Verfassung und ein königliches Dekret dies für das Königreich. Sardinien unnötig machten, wie auch heutzutage derartige Vereine und Zeitschriften in Italien glücklicherweise nicht vonnöten sind. Dieses journalistische Talent erster Ordnung, vom Grafen Cavour mit Scharfblick seinen patriotischen Zwecken nutzbar gemacht — in welche Kreise wäre es wohl durch die Not der Umstände geraten, falls es in Norddeutschland das Licht der Welt erblickt hätte?! Uebrigens ist Dina auch als Lehrer des heutigen italienischen Ministerpräsidenten Luzzatti auf dem Gebiet des Journalismus anzusehen. Mehr als einmal bat dieser den geliebten aber strengen Meister um milde Beurteilung seiner literarischen Arbeiten. Und der letzte Brief, den der sterbende Dina erhielt, war von seinem Freunde Luzzatti. Ein Talent mehr agitatorisches" Natur sollte 1859 von Cavour in seine Kreise gezogen werden. Es war der aus dem Mantuanischen stammende Giuseppe Finzi (1815—86). Jahrzehntelang eifriger Anhänger des republikanischen Parteiführers Mazzini, in die mantuanische Verschwörung gegen Oesterreich vom Jahre 1853 verwickelt, und nur durchsein unentwegtes Schweigen der Todesstrafe entgangen, wahrend viele der anderen italienischen Patrioten in den verwirrenden

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