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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 646

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Graf Camillo Cavour und die Juden
Date
1910-10-01
Page
646 (sequence 4)
Language
German
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46 Im deutschen Reich. Wie mußte sich nun ein so vorurteilsloser Wann den Inden gegenüber verhalten, seitdem er vorn Fahre 1850 an mit geringen Unterbrechungen das Amt eines Staatsministers, 'ja sogar meist eines Ministerpräsidenten bis zu seinem Tode im Fahre 1861 bekleidete? Eine gesetzgeberische Tätigkeit zur Befreiung der Juden hätte er allerdings nicht mehr nötig. Die Zeiten, in denen die königlichen Verordnungen aus dem Jahre 1770 galten, auf Grund deren noch 1842 in dem von Cavour gegründeten Ackerbauverein nur Personen christlichen Glaubens ausgenommen werden durften, waren nach dem königlichen Dekret vom 29. März 1848 glücklicherweise auf immer dahin! Durch dasselbe waren im Anschluß an die soeben verliehene Verfassung den Juden alle bürgerlichen und politischen Rechte verliehen. Es galt nach dem unglücklich verlaufenen Krieg mit Oesterreich vom Jahre 1849, das Königreich Sardinien durch weisen Gebrauch der politischen, intellektuellen und religiösen Freiheit nach englischem Vorbild, welches stets Cavours Ideal bildete, aus politischem, industriellem, kaufmännischem und. sozialem Gebiete an die Spitze der italienischen Staaten zu bringen, um nach erfolgter innerer Kräftigung früher oder später die Oesterreicher zur Aufgabe ihrer italienischen Besitzungen, der Lombardei und Benetiens, zwingen zu können. Zu den g e e i g netst en Eleme n t e n, welche dem weitblickenden Staatsmann zur D u r ch f ü h r u n g dieser Pläne dienen sollten, rechnete er n i ch t n u r die jüdischen Kapita l i e n, sondern a u ch als wertvolles intellektuel l e s M a t e r i a l di e Juden s e lb st. . Seit langem bediente sich der reichbegüterte Graf für seine privaten Bankoperationen der geachteten Firma Avigdor in Nizza, deren Inhaber, Julius, und Septimius, Enkel des berühmten Isaak Samuel Avigdor waren, welcher als Sekretär des von Napoleon I. nach Paris, einberufenn jüdischen Synhedriums fungiert hatte. Cavours Vertrauen auf die Ehrlichkeit dieser Brüder war so groß, daß er am 22. November" 1847 seinem Freunde Auguste de la Rive Julius Avigdor mit folgenden Worten empfahl: „Wenn Sie Avigdor noch nicht . kennen, werde ich Ihnen einen Brief für ihn senden. Es ist ein Mann, den man ckennen lernen muß.

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