Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 626 (sequence 5)
- Language
- German
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626 Im deutschen Reich. Gesichtspunkte aus Bewerbungen behandeln, verkappten Antisemitismus verraten und zu denselben Beschwerden wie offen jüdische Bewerbungen ausschließende Ausschreibungen berechtigten Anlaß geben. Wenn der dringende Verdacht antisemitischer Gesinnung in solchen Fällen festgenagelt wird, dürfte dies häufig nicht ohne Wirkung bleiben. — Im „Berliner Tageblatt" vom 9. August veröffentlicht der Magistrat zu Lübbenau folgendes: „In Lübbenau im Spreewald ist die sofortige Niederlassung eines evangelischen /verheirateten Arztes nötig. Auskunft erteilt der Magistrat." In diesem Falle werden also nicht nur jüdische, sondern auch katholische Bewerber von dem.Vorzug, ausgeschlossen, die Spreewäldlerinnen von ihren.etwaigen Gebrechen zu heilen. Hoffentlichfindet sich ein.Vertreter des Zentrums, der gegen eine derartige Konfessionalisierung der Berufszweige energisch Front macht und zur Heilung einer sehr ernsten Krankheit unseres Volkslebens .beiträgt. — Zu den Zahnärzten, die jüdüs.che Assistenten boykottieren, gehören auch die Herren Landau, Friedberg i. Hessen, und vr. surgv dent. R. Martiens, Berlin, Potsdamerstr. 109.' Ersterer schrieb, er benötige einen Techniker-Assistenten, „B e d in g un g s e i ch r i stli ch e K o n f e s s i o n"; Herr Dr. Martiens ‘suchte für die Zeit seiner Abwesenheit von Berlin „für seine feine Praxis einen repräsentablen Vertreter christlicher Konfession". Hoffentlich verzichten die bisherigen jüdischen Klienten des Herrn Dy. surg. dent auf die Auszeichnung, zu seiner „feinen Praxis" zu gehören, da es in Berlin W. nicht an tüchtigen Zahnärzten mangelt, die mindestens Gleiches leisten,. ohne die Juden als minderwertig zu betrachten und zu behandeln. — Wie der Anzeigenteil der Pharmazeutischen Fachpresse ergibt, gehören zu den A p o th e ke nb e sitz er n, die jüdische Angestellte boykottieren, auch folgende Herren: Gieser in Heidelberg, der zum 1. Juli für Rezeptur und Handverkauf einen Christen mit guten Sprachkenntnissen suchte., . . . ...