Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 615 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 615 möglich ist. Die Feststellungen haben anderseits auch keinen Anhalt, dafür gebracht, daß die Zugehörigkeit der genannten Einjährig-Freiwilligen zum Judentum aus die militärische Beurteilung irgendwie von Einfluß gewesen sei." — Dieser Bescheid erinnert wesentlich an die bequeme Anschauung: „Was nicht in den Akten steht, ist nicht in der Welt!" Der Kriegsminister sagt aber in dem Bescheide auch von einem jüdischen Unteroffizier K—n., dem die Befähigung zum Reserveofsiziers-Aspiranten bei der Prüfung abgesprochen wurde: „Daß. ihm die Geeignetheit zum Unteroffiziers-Aspiranten zugesprochen worden ist, beweist ein besonderes Wohlwollen seinerVorgesetzten, die annahmen, daß K—n trotz seiner militärischen Schwächen noch ein verwendungsfähiger Unteroffizier des Beurlaubtenstandes werden könnte." Die „Staatsbürger-Zeitung" drückte am 10. Juli über diesen Bescheid dem Kriegsminister ihre besondere Zufriedenheit aus, was wir einem „Antisemiten-Moniteur" nicht verdenken. Sie hat leider nicht einmal unrecht, wenn sie schließlich sich dahin äußert: „Der Bescheid, der sich auf das Urteil der Prüfungskommission stützt, ist typisch." - — Das Abflauen des Radau-Antisemitismus in weiten Volksschichten ist eine Tatsache, an der die Wahrnehmung nichts ändert, daß in den maßgebenden Kreisen die Reaktion noch Pyrrhus-Siege feiert. Selbst im „Verein deutscher Studenten" sind neuerdings Stimmen laut geworden, die sich gegen das „alldeutsche Phrafenheldentum" ablehnend äußern. In den „Alldeutschen Blättern" des „Vereins deutscher Studenten" ist „zum neuen Semester" ein Artikel veröffentlicht worden, in dem es heißt: „Reden und Feste feiern allein machen es nicht, und die Macht der Phrase hat vielleicht nirgendwo so dominiert wie auf diesem Gebiete. Was aber noch schlimmer und im Interesse der politischen Sittlichkeit aufs tiefste zu beklagen ist, ist dies: d a ß m i t d e m W o r t e „D e u t s ch - N a L i o n a l" häufig genug schwerer Mißbrauch getrieben wird, daß man versucht hat, unter der Firma „National" falsche Werte ins Volk gelangen zu lassen, daß falsche Propheten im Lande umhergegangen sind und noch jetzt einhergehen, die darauf ausgehen, w ir t s ch a f t s p o l i t i f ch e Forderungen von Int e ress e n t e n g r u p pe n unter n a t i o n a l e m