Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 613 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316800--20687-2343734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau>- 613 schwerde der Rabbiner ist von dem russischen Ministerium unbeantwortet gelassen worden. Daß dieser rückschrittliche Einfluß des russischen Geistes, der seit den Zeiten des Kaisers Nikolaus I. stets unheilvoll auf deutsche Verhältnisse eingewirrt hat, selbst in Bayern noch nicht überwunden ist, hat. die auf Anordnung der Behörden verfolgte Entfernung des von dem polnischen Maler Fabianski im Münchener Glaspalaste ausgestellten Gemäldes „Gin Kogroin in Ariern" bewiesen. Diese nicht etwa von der russischen Gesandtschaft erbetene auffallende Maßregel ist damit, begründet worden, daß sich die Russen durch die etwaige Absicht, den Zaren für die Judenmetzelei verantwortlich zu machen, verletzt fühlen könnten, denn auf dem Bilde sei oberhalb der Leichname eine russische Anzeige mit dem Namen des Zaren deutlich lesbar. „Die Pogrome in Rußland gehören", bemerkt die „Bossische Zeitung", „der Zeitgeschichte an. Es ist nicht zu verstehen, warum der Pinsel nicht darstellen soll, was der Griffel längst zum Schauder aller Kulturmenschen auf der Tafel der Geschichte verzeichnet hat. Je eindrucksvoller die Greuel der russischen Pogrome den Menschen vorgeführt werden, desto zuversichtlicher darf man hoffen, daß dieser europäischen Schmach ein Ende gemacht wird. „Russische Kreise", deren Gefühl sich nicht gegen die Tatsachen selbst empört, braucht man nrchtdurch Entfernung des Abbildes z u s ch o n e n. Daß gar eine Beleidigung des Zaren vorliegt, wenn sein Manifest, das tatsächlich am Tage jenes Pogroms an den Straßenecken Kiews hing, mit auf das Bild kam, wird niemand ohne weiteres einsehen." Die Frankfurter Zeitschrift „Das freie Wort" rügt in schärfster Weise, daß die europäische Entrüstung über die in Rußland gegen die Juden begangenen Bestialitäten mehr und mehr abgeflaut scheint und sich in der Presse nur noch entweder durch kurze Korrespondenz-Notizen oder durch.aktuelle Klagen über Judenausweisungen kundgibt, daß ferner jüdische Kapitalisten die Ausrechterhaltung des russischen, judenfeindlichen Systems, das gleichzeitig das Ideal der deutschen Reaktionäre darstellt, unwissentlich durch Beteiligung an russischen Staatsanleihen fördern. Die