Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 611 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 611 kontrolle betraute Stadtrat Hraba in einer öffentlich gehaltenen Rede in moralischer Entrüstung maßgebende Führer der antisemitischen Partei wie Axwann und Bielohlawek als Männer bezeichnet, die bei ihrer Beschäftigung mit der Verwaltung der städtischen Männer „zu dem Gott Nimm .beten". Man zögerte lange, durch eine Klageerhebung die Bloßgestellten gründlich reinigen zu lassen, und als die . Klage endlich eingereicht war, zog man sie auf - Grund einer von Hraba durch allerhand Zugeständnisse/ erlangten Erklärung, er habe die Ehrlichkeit keines Parteigenossen antasten wollen, schleunigst wieder zurück. Durch Hrabas Rückzug ließ sich die öffentliche Meinung der Wiener Bürgerschaft nicht beirren; sie übte einen solchen Hochdruck aus, daß der als „Geschäftsantisemit" zum reichen Manne gewordene Reichsrats- und LandLagsabgeordnete, Stadtrat Axmann genötigt wurde, selbst seinen Austritt aus allen christlichsozialen Verbänden zu erklären. Auch gegen den Reichsrats¬ und Landtagsabgeordneten und Stadtrat B i e l o h lawek erhoben sich viele Stimmen in der christlich-sozialen Parteiversammlung, doch wagte man nichts gegen ihn zu unternehmen, weil sonst auch der Parteiführer vr. Albert Geßmann unbedingt hätte ausgeschlossen werden müssen. Trotzdem sind die Tage dieser beiden christlich-sozialen Würdenträger als Männer der Oefsentlichkeit gezählt. Ob die Partei selbst durch eine solche Reinigung ihre bisherige Machtstellung in Wien wird behaupten können, ist immerhin zweifelhaft; der erlittene moralische. Schaden würde bei dem Mangel eines anerkannten Führers genügen, ihren Zerfall herbeizuführen, wenn sie nicht an dem. Einfluß des Klerus auf die österreichische Regierung eine mächtige Stütze hätte. Die Epigonen Luegers glauben aber auch durch Auffrischung der Judenhetze den Zerfall ihrer Partei zu verhüten. Der Abgeordnete Kunschak sagte kürzlich in einer christlich-sozialen Versammlung in Hernals: „Als Sieger haben wir Milde walten und seit Jahren den Kampf ruhen lassen. Die Juden lohnen das aber mit Undank und führen jetzt einen Feldzug gegen die christlich-soziale Partei. Das christliche Volk wird mit dem schmarotzenden Judentum gründlich .abrechnen." — Auch in Ungarn scheinen jetzt .hie Regierungskreise von einzelnen antisemitischen Ele-