Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Frechheiten
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 601 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 601 über jenes schmachvolle „Ereignis", ohne ein Wort der Klage zu finden ob des Schandflecks a m Ehrenkleide der brandenburgisch-preußischen Geschichte. Wer so r o b u st e Nerven hat wie die antise m i - tische Presse, wenn es gilt, Juden totzuschlagen, der n i m m L sich i n der Positur verletzter G l a u b e n s i n n i g k e i t recht schlecht aus." A. L. * Umschau. Schlüsse seines an einem der letzten Junitage im „Deutsch-Völkischen Studentenverband" in Berlin gehaltenen Vortrages über „Die deutsche Literatur und das Judentum" hat der Literaturhistoriker Bartels gesagt: „Wenn sich Katholiken und Protestanten zu einer gemeinsamen großen Bewegung zusammenfinden, wird die Herrschaft des Judentums ohne weiteres gebrochen werden." Wenn es auch geradezu widersinnig ist, in einer Zeit, in der in Preußen die durch Verfassung und Gesetz verbriefte Gleichberechtigung der Juden im Wege der Verwaltung zu einem Zerrbild gemacht worden ist, von einer /Herrschaft der Juden" zu reden, dürfte ein solches Gaukelspiel bei einzelnen Schichten der Bevölkerung seine Wirkung doch nicht ganz verfehlen. Sobald „etwas faul ist im Staate Dänemark", ist man ja nur zu geneigt, die Schuld von sich abzuwälzen und, wie zu allen Zeiten, wenn der politische Horizont verdüstert war, die Juden zu Prügelknaben zu machen. Bon den Juden als Herrschern in einem Staate zu sprechen, in dem sie es bei aller militärischen Tüchtigkeit im Heere allerhöchstens bis zum Vizefeldwebel bringen können, in der die Verwaltung sich grundsätzlich „judcnrein" hält, obgleich sie über Intelligenzen, wie sie vielfach im Judentum brach liegen, keineswegs im Uebermaß verfügt, das ist etwas, von dem Schiller sagen würde: „War' der Gedank' nicht so verflucht gescheut, man war' versucht, ihn herzlich dumm zu nennenI" Was verleiht nun den Antisemiten und den ihre Sache fördernden Kreuz-Zeitungs-Rittern den Mut, mit solchen widersinnigen Gedanken vor ein Volk zu treten, dessen weitaus