Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Sonne und Schild ist der Ewige! [Rezension]
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 575 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherjchau. 575 Bei der Lektüre der Predigten wird man unwillkürlich an Naumann und Frenssen erinnert. Ob sie dem Verfasser Vorbilder gewesen sind, mag dahingestellt bleiben; zweifellos haben sie einen großen Einfluß auf seine Predigtweise ausgeübt. Dazu kommt eine an das Mystische streifende, sich tief in das religiöse Empfinden versenkende Natur, die diesen Reden ein eigenartiges Kolorit gibt. Der Verfasser bindet sich nicht an die üblichen Regeln der Homiletik; aber er zeigt damit nur, daß jede schematische Regelung nur innerhalb gewisser Grenzen ihre Berechtigung hat, und daß die Individualität des Redners in erster Reihe entscheidend ist für die Art seiner Rede. Die Sammlung enthält neben vielem Vortrefflichem: manches schwächere Stück, und im einzelnen würde manches zu bemerken sein. Aber ein genaues Eingehen auf Einzelheiten verbietet sich an dieser Stelle schon mit Rücksicht auf den karg bemessenen Raum. Ueberdies würde es mir kleinlich erscheinen, aus einer im ganzen so vortrefflichen Sammlung Einzelnes herauszugreifen. Das Buch wird als die Gabe eines religiös tief veranlagten Verfassers von jedem dankbar begrüßt werden, der nach Vertiefung des eigenen religiösen Empfindens Verlangen trägt. Königsberg i. Pr. H e r m a n n Vogel st e i n. Berlin. Von Jules Huret. Einzige berechtigte Uebersetzung aus dem Französischen von Nina Knoblich. München, Verlag von Albert Langen. Seinem Buche über Berlin hat der französische Schriftsteller Huret ein Kapitel von etwa 50 Seiten über „den Antisemitismus" eingefügt. Es enthält eine recht zusammengewürfelte Darstellung von tatsächlichem Material und Erzählungen, die man Herrn Huret gemacht hat. Dadurch, daß Huret zwischen getauften und ungetauften Juden vielfach gar nicht unterscheidet, wird seine Darstellung teilweise ganz unzulänglich. Dabei hat der Verfasser, der persönlich offenbar ein durchaus vorurteilsfrei denkender Mann ist, seine Informationen, soweit eine christliche Quelle in Frage kommt, von Antisemiten, und, soweit Juden befragt wurden, von Leisetretern und gesinnungsschwachen Elementen erhalten. So angenehm sich auch die Plaudereien lesen, so wenig sind sie zur Bildung eines einigermaßen richtigen Urteils geeignet. L. II.