Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Der Ritualmord-Prozeß zu Kutais im Jahre 1879
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 564 (sequence 22)
- Language
- German
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564 Im deutschen Reich. gangenheit und die Zukunft der Welt und der Zivilisation und ich hoffe, daß die Erwartungen, die auf ein öffentliches und aufgeklärtes Gericht gefetzt werden, in Ihrem Urteil ihre Erfüllung finden." Rechtsanwalt Lolois spricht noch über die wahrscheinliche Todesursache der Sarra Modebadfe und stellt die gleiche Hypothese wie Rechtsanwalt Alexandrow auf. Nach einer kurzen Replik und Duplik verschiebt der Vorsitzende die Urteilssällung auf den 13. Marz. Am 13. März wurden die Schuldfragen endgültig festgelegt, worauf sich das Gericht in das Beratungszimmer zurückzog. Nach zwei Stunden erfolgte die Urteilsverkündung: alle Angeklagten wurden freigesprochen. & Korrespondertzs«. * Berlin, 16. Juni. Unter der Ueberfchrift: „Ein B u b e n st ü ck, erdacht, einen Mann zu verderben", bespricht Herr Lic. R. Mumm in der „Staatsbürger-Zeitung" die noch unaufgeklärte Ordensschacher- Angelegenheit, in die der niederländische Ministerpräsident Abraham Kuyper verwickelt worden ist. Daß der Amsterdamer Prediger und Begründer der dortigen freien Universität, der es nach manchen Wandlungen zum Ministerpräsidenten gebracht hat und als solcher ein entschiedener Gegner der Liberalen war, die Sympathie der deutschen Christlich-Sozialen genießt, ist begreiflich. Aber daß sie den niederländischen Liberalen, die dem siebzig Jahre alten konservativen Präsidenten gegenüber sich so schonend verhielten, daß sie gegen die Abweisung des Antrages auf weitere Verfolgung der Ordensschacher-Angelegenheit keinen Widerspruch erhoben, jetzt nachsagen, es sei ein Bubenstück gewesen, gegen Kuyper eine Hetze zu veranstalten, „wie die Liberalen dies auch bei uns so ausgezeichnet verstehen", ist doch ein starkes Stück, zumal Herr Mumm selbst zugibt, daß Kuyper Anlaß zu dem gegen ihn erhobenen Verdacht gegeben hat. Aber dem Herrn ist es offenbar weniger darum zu tun, den Niederländer zu verteidigen, als deutsche christlich-