Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 455 (sequence 1)
- Language
- German
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Umschau. 455 Umschau. OQplettn man den Liefen Eindruck in Erwägung zieht, den das am 6. Mai erfolgte unerwartete Hinscheiden des Königs Eduard weit über die Machtsphäre Englands hinaus auf unzählige Bewohner der Kulturstaaten gemacht hat, und wenn man sich vergegenwärtigt, was dieser Monarch durch seine hervorragende Persönlichkeit nicht nur für die Festigung von Englands Macht und Weltstellung, sondern auch für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens geleistet hat, dann kann man an dem hohen Wert einer streng verfassungsmäßigen Regierung für Fürst und Volk nicht zweifeln. Der britische Monarch war jeder Zoll ein König, und er war es, ohne durch sein persönliches Eingreifen in die Welthandel jemals mit dem Parlament in Konflikt zu geraten, weil er der Ueberzeugung lebte, daß eine streng verfassungsmäßige Regierung der beste Schutz der Monarchie ist und eine parlamentarische Maxime noch keineswegs zu einer Parlamentsherrschaft führt. König Eduard befand sich in beständigem Einvernehmen mit den offiziellen Vertretern des Volkswillens, wenn er sich in der inneren wie in der auswärtigen Politik Englands in der erfolgreichsten Weise betätigte; er gewann dadurch nur größere Volkstümlichkeit. Wenn wir an dieser Stelle das dahingeschiedenen Königs Eduard ehrend gedenken, geschieht es nicht, weil er als moderner Monarch einzelne hervorragende Juden in seine Umgebung zog und mit ihnen so freundschaftlich verkehrte, daß deutsche Antisemiten von einer Verjudung des englischen Hofes faselten. Das, was ein so gemäßigt-liberales Blatt wie die „Voss. Ztg." kürzlich über deutsche Verhältnisse in einem „Ohnmächtige Machthaber" überschriebenen Leitartikel sagen konnte, wäre in England unmöglich; es erinnert vielmehr so lebhaft an Vorgänge in Rußland, daß, wenn die gerügten Mißstände auch zunächst scheinbar nur die Juden betreffen, jeder deutsche Vaterlandsfreund, ob Christ oder Jude, dringend wünschen müßte, an leitender Stelle in Deutschland ausschließlich Männer zu sehen, die den Mut einer Meinung haben und als pflichttreue Rat-