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Im deutschen Reich · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. 451

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Britz-Lübeck / W.
Date
1910-06-01
Page
451 (sequence 2)
Language
German
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Britz-Lübeck. 451 Pünktlich am 10. Mai ein und wurde von dem Oberarzt, Herrn Dr. Hofstaetter, dem ich mich sofort melden ließ, in das Kasino gewiesen, wo ich 6—-8 Herren antraf. Ich stellte mich höflich vor, wurde aber gleich vom ersten Augenblick a n i n g r ö b l i ch e r W e i s e geschnitten und von der Unterhaltung ostentativ ausgeschlossen. Am übernächsten Mittag ließ mich der Sekundärarzt der chirurgischen Abteilung, Herr Dr. Brevitt, in sein Zimmer kommen und sagte mir, er handle im Austrage der Herren Assistenzärzte und nach Rücksprache mit Herrn Oberarzt Dr. Hofstaetter, wenn er mich bäte, das Krankenhaus möglichst heute noch zu verlassen. Er verweigerte mir je g l i ch e A n g a b e von Gründen, sagte mir aber Pekuniäre Entschädigung zu. Ich beruhigte mich natürlich nicht dabei, blieb bis zum nächsten Tage und suchte eine Unterredung mit Herrn Dr. Hofstaetter nach, die mir auch gewährt wurde. Er, H., erklärte mir, nichts in der Sache tun zu können. „Persönliche Angelegenheiten der Herren" gingen ihn nichts an. Durch persönliche Mißhelligkeiten der Herren könne es dahin kommen, daß der ganze Betrieb im Krankenhause leide und das rönne er nicht zugeben. Ich sagte ihm darauf kurzerhand, es unterliege für mich keinem Zweifel, daß es sich um antisemitische Gründe handle, was er bestritt. Da ein weiteres Verbleiben für mich unter diesen Verhältnissen unleidlich geworden wäre, willigte ich notgedrungen ein, das Krankenhaus zu verlassen und erhielt 100 M. Entschädigung. Ich verließ am 14. 5. 1909 Lübeck. Ich ersuchte alsdann von Hamburg aus, wo ich zunächst als Praktikant tätig war, schriftlich um Angabe der Gründe, erhielt aber den Bescheid, daß zu weiteren schriftlichen Erklärungen eine Veranlassung nicht vorliege. Herr Dr. Hofstaetter hat an anderer Stelle die Erklärung abgegeben, daß die Assistenzärzte mit mir zusammen nicht hätten speisen können, ihm aber die Gründe nicht gesagt hätten. Klarheit über diese Gründe ergibt der weitere Verlauf. Bald daraus wurde seitens des Herrn Prof. Dr. Roth in einer Annonce der „Aerztlichen Mitteilungen" ein nichtjüdischer Assistenzarzt gesucht. Als Herr Dr. Hofstaetter hierüber dem Herrn Dr. Roth seine

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