Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heer
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 427 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Juden iin deutschen Heer. 427 die freiwillig in den Heeresdienst eingetrcten sind. (Hört, hört!) Und wie haben sie sich im Kriege gezeigt? Hören wir das Urteil von Männern, die wahrhaftig nicht besonderer Vorliebe für ihre jüdischen Mitbürger verdächtig sind. Herr v. Treits ch ke urteilt im zweiten Band seiner deutschen Geschichte: „Die Söhne jener gebildeten Häuser, die sich schon ganz als Deutsche fühlten, taten ehrenhaft ihre Schuldigkeit." (Hört, hört.) Ein solches 'Urteil aus dem Munde eines politischen Gegners ist doppelt wertvoll und anerkennenswert. (Sehr richtig!) In dem gleichen Sinne haben sich auch andere, wie Varnhagen von Ense, geäußert. Das Zeugnis einer Reihe von Männern liegt vor, welche die militärische Tüchtigkeit, die Liebe zum Soldatenstand, wie die Liebe zum Baterlande unter der jüdischen Bevölkerung anerkennen. Welchen Umfang die Beteiligung am Kriege in einzelnen Gegenden zeigte, beweist jene Gedenktafel in Schwerin, wo allein 28 Namen von jüdischen Mitkämpfern aus den Jahren 1813 und 1815 verzeichnet sind. So wie in den Reihen der Kämpfer jeder seine Schuldigkeit getan hat, so haben auch diejenigen .Männer, die als Aerzte damals tätig waren, von Weib und Kind weggingen und an die Stätte des Unglücks hineilten, ihre Schuldigkeit getan. Das ist von allen vorurteilsfrei Denkenden anerkannt. Ich erinnere an das Urteil des Staatskanzlers von Hardenberg m Jahre 1815, welcher sagte: „Die Geschichte des Krieges gegen Frankreich hat bewiesen, daß die Juden in dem Staate, der sie in seinen Schoß ausgenommen hat, durch treue Anhänglichkeit sich hervorgetan haben." Aber wie im politischen Leben im allgemeinen, so setzte nach den Befreiungskriegen auch für sie im besonderen die Reaktion ein. Man hielt nicht das, was man dem Volke an Rechten und Freiheiten zugesagt hatte, und der Traum von der völligen Gleichberechtigung blieb für die Juden eben nur ein Traum. Im Jahre 1826 wurde durch ein neues Edikt im wesentlichen das wieder zurückgenommen, was man in den Jahren der Not zugesagt hatte. Welcher Geist in der Reaktionszeit der dreißiger und vierziger Jahre waltete, das zeigt uns die Geschichte eines Mannes, dessen Namen Sie alle kennen, des Majors Burg, Ihres Glaubensgenossen, der als einziger weißer Rabe aktiver Offizier und auch befördert wurde, weil er das Glück hatte, daß ein Prinz und Fürst