Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 403 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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VereinsnachriKLen. 403 - - Im „Berliner Tageblatt" vorn 4. Februar befand sich eine Bekanntmachung der S t a d t g e m e i n d e B n d s i n (Bahnstation an der Strecke Schneidemühl), wonach der dortige Magistrat einen e dang e l i s ch e n Arzt für seine Stadt und die Umgegend sucht. Wir haben deshalb eine Anfrage an den Magistrat zu Budsin gerichtet, ob etwa besondere Gründe vorliegen, welche die Praxis eines jüdischen oder katholischen Arztes dort als unerwünscht erscheinen lassen. Die Beurteilung der Tätigkeit eines Arztes sei doch von seinem religiösen Bekenntnis gänzlich unabhängig. In dem uns darauf zugegangenen Bescheid erklärte der Magistrat zu Budsin: „Die Tätigkeit eines Arztes beurteilen auch wir nicht nach der Konfession, tragen aber gern berechtigten Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung Rechnung." — W i e die bezüglichen Wünsche der Mehrheit der Bevölkerung zur Kenntnis des Magistrats gelangt sind, darüber ist in dem Bescheide nichts enthalten, ebensowenig irgendwelcher Nachweis über die angebliche „Berechtigung" dieser Wünsche. Wir find der Angelegenheit nur deshalb nicht weiter nachgegangen, weil Budsin tatsächlich nur sehr wenig jüdische Einwohner hat und uns mitgeteilt worden ist, daß die städtische Behörde bisher in keiner Weise eine antisemitische Gesinnung bekundet habe, so daß die angeblich „berechtigten Wünsche" sich wohl mehr gegen die Anstellung eines katholischen Arztes richten dürften. Der Budsiner Arzt soll übrigens seine Beihilfe nicht von der Stadt, sondern von dem Ostmark e n v e r e i n beziehen. — Unter der Ueberschrift „Deutschnationaler Wahlsieg" brachte kürzlich das Organ des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Berbandes folgende Notiz: „Beider Kau fm a nns g e ri ch ts w a h l in S ch n eidem n h l erhielt der Deutschnationale Handlnngsgehitfen-Berband fünf Beisitzer und gewann gegen früher drei Sitze." Wie uns mitgeteilt wurde, sind die Schneidemühler jungen Kausleute in 4 Vereinen organisiert, verkehren aber derartig miteinander, daß von einem offenen Antisemitismus nichts zu spüren ist. Die Wahlen erfolgten ohne irgendwelche Agitation; Gegenkandidaten kamen kaum'in Betracht, weil sie zu jung waren oder sonst den gesetzlichen Anforderungen nicht genügten. So sahen die Wahlsiege des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-