Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 393 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 393 ins Grab, dessen Heimgang einen tiesschmerzlichen, schwer ersetzbaren Verlust nicht nur für seinen unmittelbaren Wirkungskreis, sondern für unsere ganze Glaubensgemeinschaft bedeutet. Am 5. März 1844 in Ladung (Ungarn) geboren, erwarb sich der Entschlafene in den Talmud-Hochschulen seines Heimatlandes, zumal in Eisenstadt, wo er zu den Lieblingsschülern des damals dort wirkenden Dr. I s r a e l H ildeshei nr e r zählte, jenes umfassende rabbinische Wissen, das ihn den Meistern auf diesen: Gebiete ebenbürtig an die Seite stellte. Er bezog nach abgelegtem Abiturienten-Examen die Universitäten Wien, Budapest und Berlin, wohin er seinem Lehrer vr. Hildesheimer gefolgt war, und amtierte zunächst in Lauenburg i. P., hieraus in Gnesen, bis er im Jahre 1878 der Berufung als Rabbiner derjenigen konservativen Mitglieder der hiesigen Gemeinde Folge leistete, welche von dem sogenannten „Austritts-Gesetz" keinen Gebrauch machten, sondern im Verbände der Gemeinde verblieben. Die erstaunlich rastlose, vorbildliche, wahrhaft segensreiche Wirksamkeit, die er als Prediger, als Lehrer, als psadweisender Organisator der kulturellen und rituellen ebenso wie der gemeinnützigen Institutionen, vor allem aber als Seelsorger, als Freund, Berater und Helfer seiner Gemeindeaugehörigen entfaltet hat, zu schildern, ist hier nicht die Stelle. Indessen, so pflichten- und arbeitsreich diese vielgestaltige Tätigkeit innerhalb seiner unmittelbaren Amtssphäre war, hat sein Leistungseifer sich keineswegs darin erschöpft, vielmehr hat er, wie kaum ein zweiter, weit darüber hinaus, an allen, der Gesamtiudenheit, ihren religiösen und gemeinnützigen Interessen dienenden Bestrebungen ratend und mittütig Anteil genommen. So gehörte er — um nur die hervorragendsten zu nennen — zu den Begründern des „Rabbiner-Verbandes in Deutschland", des „Hilfsvereins der deutschen Juden", der „Bereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner", des „Verbandes der deutschen Juden" usw., und betätigte sich aufs lebhafteste an deren Leitung. Auch wenn es galt, Angriffen aus unsere religiöse, gesellschaftliche und politische Ehre zu begegnen, trat der Heimgegangene aus den Plan. Es sei z. B. nur daran erinnert, wie er im Jahr'e 1891, als in Korfu der „Ritualmord"- Wahnwitz schweres^ Unheil über unsere dortigen Glaubensgenosse:: herauszubeschwören drohte, der Blutlüge in Work