Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Das Kreiskrankenhaus zu Britz
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 375 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Kreiskrankenhaus zu. Britz. nicht in der Lage sein, Ihre Bewerbung um die Praktikanten st ellezuber ü ck s i ch t i g e n. Im anderen Falle bitte ich, mir den Zeitpunkt, an dem Sie einzutreten gedenken, möglichst bald anzugeben." Dieses Schreiben befindet sich abschriftlich in den Händen des Herrn Landrats v. Achenbach. — Die Aerztekammer für den Stadtkreis Berlin und die Provinz Brandenburg kam denn auch zu einem wesentlich anderen Resultat als der Landrat. Nach einem Referat des Dr. Munter und, nachdem Geheimer Dbermedizinalrat Dr. Pistor das Verhalten der Aerzte als „unqualifizierbar" bezeichnet hatte, faßte die Kammer einstimmig den Beschluß: „Die Aerztekammer beauftragt den Vorstand, bei dem königlich preußischen Kultusminister den begründeten Antrag zu stellen, daß dem Kreiskrankenhaus in Britz während der jetzigen Leitung das Recht aberkannt wird, Medizinalpraktikanten anzunehmen.' Danach gewinnt die peinliche Affäre doch ein anderes Gesicht, und es ist seltsam, daß die Kreisbehörden über den Fall so leicht hinweggehen." * Das Verhalten des Landrats v. Achenbach muß um so mehr Befremden erregen, als er nach dem Bericht des „B. T." gesagt hat: Dr. Schneider habe den jüdischen Medizinalpraktikanten keineswegs von der Annahme ausschließen wollen. In der Antwort auf die Beschwerde unseres Vereins schrieb der Herr Landrat uns bereits am 26. November 1909, Dr. Schneider habe dem Praktikanten von der Bewerbung ab geraten. Auch diese Ausdrucksweise war euphemistisch, denn tatsächlich schrieb Dr. Schneider dem Praktikanten, daß er seine Bewerbung, falls er Israelit sei, nicht zu berücksichtigen in der Lage s e i. - Man sieht, daß der Landrat nicht ganz richtig informiert war, als er vor dem Teltower Kreistag das Verhalten des Dr. Schneider zu rechtfertigen suchte. Es ist zu erwarten, daß er die nächste Gelegenheit wahrnehmen wird, um seine Angaben richtig zu stellen, und daß der Teltower Kreistag sich mit der Angelegenheit noch einmal befassen wird. Diese Angelegenheit wird übrigens km Abgeordnetenhause zur Sprache kommen. ' W. *