Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Die Juden im Weltbild
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 366 (sequence 10)
- Language
- German
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Im deutschen Reich.?>66 Erinnern wir uns dieses Wortes, wenn wir nachher die Bedeutung der Juden für die Menschheitskultur 511 würdigen haben werden. In Italien ist's für die Juden mit dem Einzug des Hauses Savoyen hell geworden. Portugal und Spanien aber verharren im Dunkel, und finstere, grauenvolle Nacht, durch- ^ncft von den Blitzen unheilschwangerer Gewitter, last-et auf den Juden Osteuropas, in Rumänien und in Rußland. Unser aller Herz ist übervoll und droht überzufließen, wenn der bloße Name ausgesprochen wird. Was dort seit Jahren geschieht, schreit zum Himmel. Das schlimmste aber ist, daß auch Juden an jenen Greueln mitschuldig wurden 11 nb werden, Juden, die ihr Geld in russischen Werten anlegen, und so ein System fortfristen helfen, das ohne die Mittel der westeuropäischen Kapitalbesitzer schon längst zusammen gebe-) chen wäre. „So schlagen die Juden —- die Juden tot!" heißt es darum in einem Gedicht des „Tag", das sich mit diesen Zuständen befaßt. II. Betrachten wir nunmehr zusammenfassend die Geschichte der Juden, die wir in flüchtigen äußeren Umrissen soeben gekennzeichnet haben, so ergibt sich uns das eine: ein wenig zahlreiches Volt, das nach einigen Jahrhunderten nationalstaatlicher Zusammenfassung über die ganze Erde zerstreut wird. Ohne Land, ohne Verfassung und Regierung, bleibt es dennoch ein deutlich erkennbares, von allen ernsten .unterschiedenes Ganzes, das seine Lehren und seine religiösen Ueberzeugungen durch die Jahrtausende trägt und vererbt. Eine unendliche Wüstenwanderung ist sein Dasein, und der Oasen sind wenige. Aber wenn eine solche Oase kommt, dann treibt und grünt der eben noch dürre und unansehnliche Stamm Israels, bringt herrliche Blüten hervor unb trägt köstliche Frucht. Wie erklären wir uns dieses Wunder? Wie kommt es, daß dieses niedergehaltene, verfolgte, gehetzte und gequälte Volkstum nicht nur seine physische Existenz, sondern auch sein geistiges Vermögen durch die Jahrtausende rettet und es seinen Kindern vererbt, jung, frisch und triebkrüftig wie am ersten Tag?