Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 336 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316796--20258-2343178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
336 Im deutschen Reich. darauf, daß das keine Sonderbündelei zu bedeuten brauche, sondern Hand in Hand gehen mit deutscher Art und Sitte, schloß der Vortrag, der mit minutenlangem Beifall ausgenommen wurde. — In der sich anschließenden Diskussion trat Frl. Landsberg für ein Sichvertiefen in jüdische Art und Sitte, in jüdische Weisheit und Wissenschaft ein. Herr Lehrer Sander bemängelte, daß nach den Ausführungen der Referentin der Verein sich nicht um den Juden gegenüber geübten wirtschaftlichen Boykott kümmern solle. Die Anstellungsverhältnisse jüdischer Lehrkräfte in Posen seien im ganzen günstiger, als dies nach den Ausführungen der Referentin im Westen der Fall zu sein scheine. Das wurde sofort von dem Vorsitzenden dahin berichtigt, daß der Central-Verein allezeit gegen Zurücksetzungen eingetreten sei und jederzeit eintreten werde. Im Schlußwort betonte die Referentin ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Vorredners auch bezüglich der Simultanschulen und belegte ihre Angaben über Anftellungsverhältnisse jüdischer Lehrkräfte in Preußen mit einigen Zahlen. Ihre Worte klangen aus in einem Appell an die Solidarität aller Juden, die im Kampf um das Recht des Judentums dahin führen soll, daß aus dem Wort ein Wille werde und „aus dem Willen wachse die Tat". — Am 3. Marz. d. I. hat die Ortsgruppe Breslau ihre Generalversammlung abgehalten. Der Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Dr. Reich, begrüßte zunächst die Vortragende, Frau Henriette Fürth aus Frankfurt a. M-, und widmete dann dem verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes der Ortsgruppe Breslau, Professor Dr. Benno Badt, warme Worte des Andenkens. Dem Vorschläge des Vorsitzenden, Punkt 1 der Tagesordnung nach dem Vortrage zu erledigen, erteilte die Versammlung ihre Zustimmung, worauf Frau Fürth das Wort erhielt. Die Rednerin warf zunächst einen Rückblick auf die Stellung der Juden am Ende des 18. und in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, besprach, dann die Zurücksetzungen der Juden, insbesondere bei Besetzung der Offizier- und Beamtenstellen sowie in den höheren Lehranstalten. Sie ging dann auf die Aufgaben der jüdischen Frauen im Kampfe um das Recht der Juden ein, schilderte die Frau als die Seele des Hauses, die Frau habe insbesondere auf das Gemüt des Kindes einzuwirken. Die Frau müsse'sich