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Im deutschen Reich · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. 328

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Berlin
Date
1910-04-01
Page
328 (sequence 4)
Language
German
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328 Im deutschen Reich. — Wer noch daran zweifelt, daß der „Deutsch - naLio - n a l e H a n d l u n g s g e h i l f e n - V e x b a n d" nach wie vor einer judenfeindlichen Tendenz huldigt, der braucht nur eine einzige Nummer des offiziellen Verbandsorgans, der „Deutschen Handelswacht", zur Hand zu nehmen, um sich, zu überzeugen, welcher Lesestoff den BerbandsmiLgliedern da geboten wird. So findet sich z. B. in der Nummer 3 des laufenden Jahrgangs unter der Ueberschrift „Et was für nachdenkliche Leut e" nachstehender, der agrarisch-antisemitischen „Deutschen Tageszeitung" entnommener Artikel „Wie stark sich die Juden bereits fühlen", das zeigt folgendes Beispiel wieder einmal: „In einer größeren Provinzstadt wurde kürzlich von einer Versammlung der Vorstand des neu gegründeten Theatervereins gewählt. Für diesen Vorstand wurde unter anderem auch der Vorsitzende des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Berbandes, der schon im vorbereitenden Ausschuß tätig gewesen war, vorgeschlagen. Aber diesen Herrn beanstandete man von jüdischer Seite. Man wies daraus hin, daß in Kreisen jüdischer Theaterfreunde eine Beunruhigung entstehen könnte, wenn man im Vorstande -den Vorsitzenden eines Vereins wisse, der die Juden ausschließe. Wer einigermaßen unterrichtet ist, aus welchen Personen eine derartige Versammlung zusammengesetzt zu sein pflegt, der wird wissen, daß diese Beanstandung eine Wahlbeeinflussung in sich schloß, der der Vorsitzende des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen- Verbandes unterliegen mußte. Ist aber ein derartiges Vorgehen nicht geradezu unverschämt? Sind wir denn schon so weit gekommen, daß wir uns im eigenen Hause von Fremden Vorschriften machen lassen müssen? Steht uns schon das Recht nicht einmal mehr zu, uns mit solchen Menschen zusammenzuschließen, die uns auch wirklich angenehm sind? Auf alle Fälle war der Vorsitzende des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, der durch seine Mitarbeit im vorbereitenden Ausschuß, dem auch Juden angehörten, gezeig't hatte, daß er die Abneigung gegen das Judentum, die schließlich in jedem charaktervollen Deutschen wurzelt, zu unterdrücken vermochte, weit duldsamer, als der Jude, der obige Bedenken erhob. Woher kommt es nun aber, daß die Juden zu solchem Vorhaben überhaupt den Mut finden? Doch zweifellos daher, weil die meisten Deutschen wie Kegelklötze durch-

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