Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Gerhard v. Amyntor und die Juden
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 205 (sequence 3)
- Language
- German
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(Gerhard v. Amvntor und die Inden. 305 und inan wäre wieder bei der Schmach des mittelalterlichen Ghettos angelaugt. Nur die volle Emanzipation gibt uns die Sicherheit, daß sich das etwa noch vorhandene Fremdartige und Abweichende im Wesen des Juden immer mehr und mehr verwischen und er auch äußerlich dem eingeborenen christlichen Deutschen sich nach und nach assimilieren werde; seine religiöse Eigenart mag unberührt bleiben; nicht unsere Sache ist es, Proselyteu zu machen und irgendwelchen Gewissenszwang auszuüben. Wer in der vorurteilslosen Menge Anhänger für eine judenfeiudliche Agitation wirbt und findet und mit der sogenannten vox populi seinem Borgehen eine gewisse Berechtigung geben zu können meint, den möchte ich daran erinnern, daß — sans comparaison sei es gesagt — auch der dümmsten, haltlosesten und gottverlassensten Sache stets ihr Publikum geworden ist. Die albernsten Geheimmittel finden ihre begeisterten und glaubensseligen Abnehmer, und es ist noch gar nicht so lange her, daß in Deutschland der letzte Holzstoß geflammt hat, auf dem man einunglückliches Frauenzimmer als Hexe verbrannte. Wir pochen gern aus unsere Aufklärung, im£> doch würde ein gewandter Volksredner, der die Wiedereinführung des Hexenprozesses plausibel zu machen wüßte, heut im Jahre des Heils 1881 post Ohristam natnra ganz gewiß bald über eine erklecklich zahlreiche Heeresfolge gebieten; denn der gebildete und ungebildete Pöbel hat immer Freude am Skandal, und schon die gemeine Schaulust verführt ihn zur Grausamkeit. So fern es mir also liegt, irgendeiner Persönlichkeit zu nahe zu treten, so lebhaft fühle ich mich tut Gewissen verpflichtet, die Erörterung der Judenfrage in ad hoc zusammengerufenen öffentlichen Vereinen als eine Geschmacklosigkeit zu perhorreszieren. Im Laude der Hohenzollern, die allen wegen ihres Glaubens je Verfolgten und Verstoßenen stets .bereitwillig die Grenzen geöffnet und friedliche Niederlassung und Schutz am neugegründeten Herde gewährt haben, dürfte die hartnäckige Ventilation der Judenfrage gerade nicht aus Beifall und Sonnenschein von oben zu rechnen haben.-- Wir leben auf einem unheimlich grollenden Vulkan; alle Mächte einer dämonischen Unterwelt sind in demselben tätig. Wer h e n t e die G e s e l l s ch a s t d u r ch das A u f w e r f e n