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Im deutschen Reich · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. 203

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Satyrspiel
Date
1910-04-01
Page
203 (sequence 10)
Language
German
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Gerhard v. Amyntor und die Juden. 203 und eine Argumentation, wie sie in den letzten Reichstags- Verhandlungen vom Ministertische zum besten gegeben morden ist, für alle Zukunft ausgeschlossen sein. Berlin. Ludwig Holländer. * Oeryard v. Amyntor und die Juden. Als kürzlich der Major z. D. D a g o b e r t v. Gerhard t in Potsdam im 79. Lebensjahre verstarb, hat diesem Offizier, der sich als Schriftsteller unter dem Namen Gerhard v. Amyntor durch zahlreiche treffliche Schöpfungen wohlverdiente Anerkennung erwarb, die Presse der verschiedensten Parteien ehrende Nachrufe gewidmet. Bemerkenswert war dabei, daß auch die antisemitische Presse dem toten Schriftsteller huldigte, der im Leben seinen Widerwillen gegen den Antisemitismus nie verhehlt hat. Die „Kreuz-Zeitung"" versuchte sogar ihn nachträglich zu ihrem Gesinnungsgenossen durch die Behauptung zu stempeln, daß sich in seinen Schriften ein konservativer, christlicher Geist offenbart habe. Wie sehr es im Interesse der deutschen Inden zu wünschen wäre, daß sich die „Kreuz-Zeitung" und die ihr nahestehenden militärischen Kreise etwas von dem „christlichen Geist" dieses wahrhaft vornehmen Mannes aneigneten, das möge der nachstehende Auszug aus einem kleinen Meisterwerk Gerhards v. A m y n - tor erweisen, das er unter dem Titel „Eine moderne Abendgesellschaft"' vor etwa dreißig Jahren verfaßte und das damals solchen Anklang fand, daß es bald in einer zweiten und einer dritten Auflage erscheinen mußte. In dieser Schrift finden sich folgende Kernsätze: „Die Judenfrage, hinaus getragen in die rohen gedankenlosen Massen, appelliert bewußt oder unbewußt an deren niedrigste Instinkte und verhängnisvollste Leidenschaften: sie wird hier oder da, über kurz oder lang, immer zur Juden hetze. Ich gebe gern zu, daß manchem diese geschichtlich leicht zu erhärtende Notwendigkeit nicht einleuchtet, daß mancher in der Tat glauben mag, eine solche Frage ließe sich rein akademisch auswerfen und in aller Ob-

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