Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Rixdorf
- Date
- 1910-03-01
- Page
- 157 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 157 gefegt wurde, gelang es den Freunden und Gönnern von Dreysus, diesen glänzend zu rehabilitieren. In Preußen-Deutschland wurde durch Gesetz vorn 3. Juni 1.869 die Emanzipation der Juden festgelegt, aber die Ausführung der vollen Gleichberechtigung mit den christlichen Mitbürgern Wurde weder damals noch Heute zur Tatsache. Sind nicht alle höheren Staatsämter, Offizierstellen usw. den Juden heute noch gänzlich verschlossen? Als einzige wissenschaftlichen Berufe stehen Medizin und Jurisprudenz den Inden offen, d. h. auch nur in beschranktem Maße: denn zu den höheren Aemtern, z. B. zur ordentlichen Professur, rann der Jupe nur gelangen, wenn er zur Taufe geht, d. h. das betreffende Amt durch einen Meineid erringt. Wie unredlich und unsittlich ein solches Verhalten des Staates wirkt und wie es als verfassungswidrig zum Himmel schreit, darauf sind wohl unsere Reaktionäre, welche den Staat beherrschen, noch nicht gekommen. Selbst zum Militärarzt ist der Jude nicht gut genug, obgleich 400 etatmäßige Stellen unbesetzt sind, wodurch die Wehrkraft des Landes zweifelsohne leidet: auch bei der Ernennung zu Notaren spielt die Konfession eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bei Besprechung der einzelnen Punkte berührte der Redner auch die Abgeschlossenheit der jüdischen Akademiker von ihren christlichen Kommilitonen und den Zionismus als religiöse politische Abart, um dann den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens als Hort für die Rechte und Interessen des Judentums zu bezeichnen. Dieser Verein habe als unerschütterlicher Gegner des Antisemitismus bereits bewirkt, daß man mit ihm im politischen Leben als einer Macht rechnen muß. Je größer die Zahl der Mitkämpfer, desto mehr Erfolg, und daher könne er den Central-Verein allen Glaubensgenossen aus bester Ueberzeugnng empfehlen. Der Redner schloß seine vortrefflichen und spannenden Ausführungen unter lautem Beifall seiner zahlreichen Zuhörer. Der Vortrag, dem noch eine Disbussion folgte, wird hoffentlich dazu beitragen, das lose Band der Zusammengehörigkeit am Orte fester zu knüpfen und diejenigen Organe zu unterstützen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, die volle Gleichberechtigung der Juden mit ihren christlichen Mitbürgern herbeizusühren. Auch für unsere Religionogemeinde, die