Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-03-01
- Page
- 151 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 151 Volksvertreter, der Abgeordnete B oisl y, erklärt: „Entschieden protestiere ich gegen die Hineintragung antisemitischer Tendenzen in die Besetzung öer Bichterstellen. Konfessionelle Rücksichten dürfen da nicht mitsprechen, lediglich die Tüchtigkeit darf entscheidend sein". Bisher war ein solches Monitum zumeist den: Freisinn Vorbehalten. Es gab auch eine Zeit, in der das Zent r u m als eine Minoritätspartei sich auch der jüdischen Bevölkerungs-Minderheit annahm und wesentlich das Zustandekommen des Gesetzes vom Juli 1869 ermöglichte und jedem befähigten und unbescholtenen deutschen Staatsbürger die Berechtigung verschaffte, eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung zu erlangen. Nach dem Hinscheiden der Zentrumsführer Windthorst und Lieber änderte sich aber der Kurs, und mit der Annäherung an die konservative Partei kam es dahin, daß das Zentrum nur für die deutschen Juden eine Lanze einlegte, wenn es sich um eine drohende Einschränkung ihrer Religionsübung handelte. Die Fassung des Toleranzantrages des Zentrums zeigte nicht, daß die Partei gesonnen sei, darüber hinauszugehen und sich dadurch seine neuen konservativen Freunde zu entfremden. Das Zentrum beschränkt seine Toleranz zurzeit noch immer auf den Schutz religiöser Einrichtungen. In der Justizkommission des Reichstages wurde bei der Beratung des tz 360 des Strafgesetzbuches von dem Abgeordneten vr. Mayer- Kaufbenren der Zusatz beantragt, „Der Erlaß eines Schächtverbots ist unzulässig". Dies veranlaßte den Zentrumsführer, Abgeordneten Gröber, die Fassung vorzuschlagen: „Die Behandlung von Tieren nach rituellen Vorschriften gilt nicht als Tierquälerei". Da der Staatssekretär des Reichsjustizamts dringend bat, Fragen religiöser Art außer Betracht zu lassen, wurde zwar der Antrag Gröber mit zehn gegen neun Stimmen Ubgelehnt, aber in einer ganzen Anzahl von Zentrumsblättern wurde alsbald angekündigt, daß die Ablehnung nur durch eine Zusallsmehrheit erfolgte, der Antrag