Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Der Antisemitismus in der deutschen Aerzteschaft
- Date
- 1910-03-01
- Page
- 142 (sequence 5)
- Language
- German
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142 Im deutsche'.! Reich. sam errungene Einigkeit gefährdet würde, obwohl Licht und Schatten bisher bei weitem nicht gleich verteilt sind. Die jüdischen Aerzte werden weiter wie bisher Schulter an Schulter mit ihren christlichen Kollegen zum Segen des ärztlichen Standes ihre besten Kräfte einsetzen, soweit es ihnen ihre Selbstachtung gestattet. Daß konfessionelle Gegensätze in einem Verbände zur Wahrung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen keinen Platz haben, das ist ein Grundsatz, über den wohl kaum ernstlich gestritten werden kann, und dessen Beachtung eine Lebensbedingung für die Existenz eines solchen Verbandes darstellt. Bei etwas gutem Willen, vorurteilsfreiem Streben und gegenseitiger Achtung müssen mit der Zeit die vorhandenen Gegensätze zu überwinden sein. W. Niederlage, die der Antisemitismus bei der Reichs- -«C' tagsnachwahl int Wahlkreise E i s e n a ch - D e rm b a ch erlitten hat, erweist sich als ein Ereignis von bedeutender Tragweite: denn die Stimmung der Bevölkerung in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen, deren Mandate die Antisemiten zurzeit noch besitzen, ist anscheinend unter dem Eindruck des antisemitischen Zusammenbruchs im Wartburg- Wahlkreise derartig umgeschlagen, daß die von den Deutsch- Sozialen und dem Bunde der Landwirte veranstalteten Versammlungen ihre frühere Zugkraft nahezu vollständig eingebüßt haben. Nicht nur die Mandate der Abgeordneten Werner, Gräfe und L a t t nt a n n gelten als gefährdet, sondern selbst im Wahlkreise Fritzlar-Homberg-Ziegenhain ist man in bezug auf die angeblichen Segnungen der Wirtschaftlichen Vereinigung so bedenklich geworden, daß deren Wanderredner in schlecht besuchten Versammlungen zumeist tauben Ohren predigen. Bei einiger Rührigkeit der Gegenparteien dürfte es nicht schwer fallen, dem alten Rufer im Streit, L i e b e t m ö n n v. S 0 nnenberg, dieses Mandat abzunehmen. In seinem bisherigen Wahlkreise ist man auch dar-