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Im deutschen Reich · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. 139

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Der Antisemitismus in der deutschen Aerzteschaft
Date
1910-03-01
Page
139 (sequence 2)
Language
German
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Der Antisemitismus iit der deutschen Aerzieichaft. 139 von Dr. Werner über den Antisemitismus in der deutschen Aerzteschast. Der 31 edleus politicus“ zieht in dem ärztlicher! Organ hurtig mit Donnergepolter gegen jenen Artikel zu Felde. Zwar erkennt er an, daß die Redaktion unserer Zeitschrift in einer Fußnote hervorgehoben hat, daß sie nicht mit allen Ausführungen des Verfassers einverstanden ist und einen versöhnlicheren Standpunkt einnimmt; aber der Medicus verlangt, daß wir den Artikel überhaupt nicht hätten aufnehmen sollen. Wir nehmen nun gern sachlich begründete Ratschläge an; aber der Herr Medicus macht es sich doch ein wenig zu leicht. Wir wollen nicht darüber rechten, ob wir zu der „kleinsten Winkelpresse" zu zählen sind. Der Zahl nach dürfte unsere Auslage die der „Aerztlichen Mitteilungen" übersteigen. Aber wir hätten in einem so vornehmen ärztlichen Organ eine sachlichere und ruhigere Beweisführung erwartet. Der Medicus politicus verschweigt, daß Dr. Werner eine ganze Reihe von Argumenten anführt, die den Antisemitismus in der Aerzteschast von seiten der Behörden sowie der Aerzte erweisen. Es ist an dieser Stelle wiederholt darüber gesprochen worden, daß es nur vereinzelte jüdi s che o r d e n L l i ch e P r o - sessoren gibt, daß an vielen Kliniken und Krankenhäusern keine jüdischen Assistenten angestellt werden. In eklatanter Weise hat sich dies neuerdings gezeigt in dem in unserem letzten Heft besprochenen Falle des Kreiskrankenhauses in Britz, wo der dirigierende Arzt, Herr Dr. Victor Schneider, einen Medizinalpraktikanten abwies, weil seine „Herren Assistenten nicht im Kasino mit jüdischen Kollegen zu verkehren wünschen". Aehnlich liegt ein anderer Fall. Im Allgemeinen Krankenhause in Lübeck wurde ein Medizinalpraktikant zwar aus seine Eingabe auf ein halbes Jahr angenommen. Er wurde aber vom ersten Tage an von den Herren Assistenten in nicht mißzuverstehender Weise geschnitten und vom Oberarzt bedeutet, daß er besser täte, das Krankenhaus wieder zu verlassen. Wohl oder übel folgte er dem menschenfreundlichen Rat. Bald darauf erschien ein Inserat in den „Aerztlichen Mitteilungen", in dem ein nichtjüdischer Assistent für das Krankenhaus in Lübeck gesucht wurde. Wenn inan dem Praktikanten auch.mündlich oder schriftlich die Angabe der Gründe dafür verweigert hatte, weshalb er den Krankenhaus-Aerzten nicht gefiel, - das Inserat dürfte einiges Licht in die Ge-

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