Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Judenfurcht
- Date
- 1910-03-01
- Page
- 138 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Im deutschen Reich. Großen, Goethe, Schiller, Lessing, Humboldt, Helmholtz, Bismarck, Moltke und viele andere Geistesgrößen zu den Seinen zählt, ein Volk, das bis in die Neuzeit mit der Hilfe aller seiner Bürger, einerlei, welcher Konfession, Heldentaten vollbrachte, die in der Weltgeschichte beinahe unerreicht dastehen, ein solches Volk wird sicher Mittel und Wege finden, Vorurteile zu beseitigen, Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu üben und auf diese Weise allen seinen Mitbürgern die Wege frei machen, die keinem Bürger in einem Kulturstaate verschlossen sein dürfen!* **)) ..Cessante causa, cessat effectus.“ * Der Antisemitismus in der deutschen Aerzteschast.") Die „Aerztlichen Mitteilungen", das offizielle Organ des Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen, beschäftigten sich in Nr. 47 vorigen Jahres mit einem in unserer Zeitschrift erschienenen Artikel *) In einer 1523 erschienenen Schrift „Daß Jesus ein geborener Jude gewesen" sprach sich der Verfasser, Martin Luther, wie folgt aus: „Unsere Narren, die Papisten, Bischöfe, Sophisten und Mönche haben bisher also mit den Juden verfahren, daß, wer ein guter Christ gewesen, hätte wohl mögen ein Jude werden Und wenn ich ein Jude gewesen wäre und hätte solche Tölpel und Knebel den Christenglauben regieren und lehren gesehen, so wäre ich eher eine San geworden, als ein Christ. Denn sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde und nicht Menschen, haben nichts mehr tun können, als sie schelten. Sie sind Blutsfreunde, Vettern und Brüder unsres Herrn; darum, wenn man sich des Blutes und des Fleisches rühmen soll, so gehören die Juden Christo mehr an, denn wir. Ich bitte daher meine lieben Papisten, wenn sie müde geworden mich Ketzer zu schnupfen, daß sie nun anfangen, mich einen Juden zu schellen." „Darum wäre mein Rat"', so fährt Luther fort, „daß man säuberlich mit ihnen (den Juden) umgehe; aber nun wir mit Gewalt sie treiben und gehen mit Lügenteiding um unb geben ihnen schuld, sie müßten Christenblut haben, daß sie nicht stinken und weiß nicht, was des Narrenkrams mehr ist — auch daß man ihnen verbietet, unter uns zu arbeiten, hantiere:: und andere menschliche Gemeinschaft zu haben, damit man sie zu wuchern treibt, wie sollen sie zu uns konmnen? Will man ihnen helfe::, so muß mau nicht des Papstes, sondern der christlichen Liebe Gesetz an ihnen üben und sie freundlich annehmen, mit lassen werben und arbeiten, damit sie Ursache und Raum gewinnen, bei uns und um uns zu sein." **) Vergl. Heft 11, Jahrgang 1909, S. 017.