Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 116 (sequence 5)
- Language
- German
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llo Im deutschen Reich. — In dem für mehr als löüü Personen Raum bietenden, dicht gefüllten Bküthner-Saale fand am 12. Januar eine E e n t r a l - V e r e ins - B e r j a m m 1 u u g statt, die jchon vorher ein solches Interesse erregt hatre, daß es unmöglich war, der Nachfrage nach Eintrittskarten vollständig zu genügen. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Justizrat Dr. H or - iv itz, begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Redner des Abends, den kürzlich durch den Nobelpreis ausgezeichneten Chemiker Herrn Geheimrat Professor Dr. Wikhet m O st - wald aus Leipzig. Der berühmte Gelehrte erhielt nun das Wort zu denn Vortrag über „K u l t u r p r o b lem e". Er verwies in der Einleitung aus die Notwendigkeit, den Begriff der Kultur in zeitgemäßer Weise feftzustellen und dabei der Kulturbewegung Rechnung zu tragen, durch die die Technik eine früher ungeahnte Bedeutung für das ehemalige „Volt der Dichter und Deuter" erhalten habe. In scheinbar harmloser, anmutend-er und doch gedankenreicher Weise eine ganze Reihe wissenschaftlicher Gebiete beleuchtend, gelangte der Vortragende zu gedankenvollen Thesen, die annähernd etwa folgendes ergaben: Jedes Geschehene stellt die Umwandlung einerr Energie in eine andere dar. Jede solche Umwandlung zur möglichsten Vollkommenheit zu bringen, ist die Aufgabe der Technik, und jede Lösung solcher Aufgaben erhöht die Bedeutung der Technik für die Menschheit. Die moderne Kultur hat die möglichste Ausnutzung der Energie zu erstreben, weil dadurch im Menschen die Gefühle der Freude und des Genusses vermehrt, die Glücksmöglichkeiten erhöht werden. Daß bei dem Jagen nach Gewinn und dem Drange zuni Uebermaß des Genusses und des Glückes, bei den Vorbereitungen zum Leben viele Menschen gar nicht zum rechtet! Leben, zur richtigen Lebensfreude gelangen, ist nur natürlich, weil sich jede Uebertreibung rächt. Demgegenüber hat die Kunst die Ausgabe, das Leben mit verhältnismäßig geringen Mitteln zu verschönen, durch ihre Erzeugnisse angenehme Erregungen und Glücksgefühle zu verschaffen. Der Technik aber ist es Vorbehalten, den Menschen alle unnützen Mühen durch beständige neue Erfindungen z-n ersparen, Energieverluste immer mehr zu verringern. Daraus zog der Vortragende den Schluß, daß mit einem solchen Streben nach Vervollkommnung die früheren Knlturbegriffe nicht fort-