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Im deutschen Reich · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. 86

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1910-02-01
Page
86 (sequence 3)
Language
German
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86 Im deutschen Reich. nicht nur unlösbare Bande der Erziehung, der Sprache und Sitte an sein Vaterland, sondern auch solche geschichtlicher Art. Die sich als unverfälschte Germanen aufspielenden Antisemiten sind fast ausnahmslos Sprößlinge späterer Einwanderer, während die ersten Juden schon mit den Römern nach Deutschland kamen, sich hier angesiedelt haben und mit den Germanen sehr gut ausgekommen sind, bis die Kreuzzüge den religiösen Fanatismus entfesselten. Hoffentlich wird die „T ä g l i che Rundscha u" bald ihrem alldeutschen Programm oder ihrem angeblich „gemäßigten^ Antisemitismus entsagen müssen, der nur insofern gemäßigt ist, als er zum Zweck der „reinlichen Scheidung" ein Emporkommen des Zionismus herbeiwünscht, obwohl dieser selbst gar nicht im entferntesten an eine „Scheidung im Sinne der antisemitischen Litteratur denkt. In der Schlußsitzung des jüngsten Zionistenkongresses hatte Herr Morse Cohen aus Saloniki über die jüdische Einwanderung in die Türkei gesagt: „Es liegt im Interesse der türkischen Regierung, diese Einwanderung zu unterstützen. Dadurch erhält sie brauchbare, arbeitsame, intelligente, friedliche und nicht unbemittelte Elemente. Die Juden anderseits finden in der Türkei ein gastfreundliches Land, dessen weite unbebaute Flächen ihnen die Möglichkeit wirtschaftlicher Entwicklung bieten. Die neue Türkei wird für den Zustrom sehr dankbar sein und der jüdischen Einwanderung zweifellos die größte Sympathie entgegenbringen." Diese Aeußerung veranlaßte die „Tägliche Rundschau" „wieder den Wunsch auszudrücken, daß die zionistische Sache endlich vorankommt und daß die Türkei sich diese „brauchbaren, arbeitsamen, intelligenten, friedlichen und nicht unbemittelten" Elemente baldigst sichert." Wenn die „Tägliche Rundschau" so gut deutsch gesinnt wäre, wie sie beständig vorgibt, dann müßte sie im Gegenteil wünschen, daß dem deutschen Reich intelligente, friedliche und bemittelte Elemente erhalten bleiben, an denen es, wie die jetzigen finanziellen Verhältnisse des Reiches und besonders die gesteigerten Steuerlasten und angeschwollenen Staatsschulden beweisen. leider keinen Ueberfluß hat. Bei einiger Geschichtskenntnis müßte der Redaktion der „Rundschau" bekannt sein, daß in vergangenen Jahrhunderten der Wohlstand zahlreicher deutscher

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