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Im deutschen Reich · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. 85

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1910-02-01
Page
85 (sequence 2)
Language
German
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Umschau. 85 eigneten sich weder moralisch noch physisch zum Militärdienst. Zugegeben muß werden, daß die israelitischen Volksgenossen das Argument der „Nichtbefähigung zum Offizier" nicht mit Unrecht als ein Produkt der Voreingenommenheit auffassen. Das verträgt sich aber nicht mit der verfassungsmäßig gewährleisteten staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, und es kann daher auf die Dauer nicht ausbleiben, daß der bisher eingenommene Standpunkt einer Revision unterzogen wird." Das verhehlen sich auch die Antisemiten nicht, und ihre Wut darüber kennt keine Grenzen. Ihre Presse ist empört über die von dem ehemaligen Oberst Gaedke aus Anlaß der erwähnten Schrift in dem „Berliner Tageblatt" veröffentlichten Aeußerung: „Das ist ja das Spaßhafte, daß letzten Endes unsere Heeresgewaltigen — wenn selbst die Kommandogewalt des Kaisers versagt — sich auf die „Fr eih ei t" d e s O ffizier k o rp s zurü ckzu zi eh en pflegen. Und dabei weiß jeder, der die Verhältnisse kennt, daß kein Offizierkorps der Welt so abhängig und unselbständig ist wie das preußische, das sich vor einem entschiedenen Willen seiner Vorgesetzten unbedingt beugt, beugen muß. Vielleicht nicht, vor dem des Kriegsministers, hinter dem nichts steht als eine Rede im Parlament; vor dem des Kriegsministers aber, der den Willen der Krone hinter sich hat, sofort!" — Die „Deutsche Tageszeitung" erblickt in der freimütigen Aeußerung „eine Beleidigung unseres Offizierforps", setzt aber hinzu, sie vermute, daß das Korps die Beleidigung nicht besonders tragisch nehmen werde. Weshalb chält dann das Agrarierblatt einen besonderen GegenarLikel für notwendig? Der „Staatsbürger-Zeitung", die sich selbst für den „Antisemiten-Moniteur" hält, ging die Aeußerung eines ehemaligen preußischen Obersten erst recht gegen den Strich; sie entgegnete deshalb wutentbrannt: „Der Einfluß des Judengeldes muß sich an der militärischen Organisation unseres Volkes brechen! Und das ist gutso. — Staatsbürgerliche G lei chheit? Keine Rede davon! Vielmehr: Nationale Trennung zwischen Judentum und Deutschtum? Das wollen wir: reinliche Scheidung!" — Die „Staatsbürger-Zeitung" stellt da eine Forderung, die unerfüllbar ist, soweit es „Judentum und Deutschtum betrifft; denn den deutschen Juden knüpfen

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