Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Der Antisemitismus in Oesterreich - speziell in Wien
- Date
- 1910-02-01
- Page
- 81 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Antisemitismus in Oesterreich — speziell in Wien. Industriegebiete im Westen, und endlich durch die tiefgründige Verschiedenheit der Kulturstufen der einzelnen Bevölkerungsgruppen. Zu alledem gesellt sich noch die rastlose Betätigung der Machtansprüche der römisch-katholischen Kirche.—Der Redner wandte sich sodann den Anfängen der antisemitischen Bewegung in Oesterreich zu. Die deutsch-liberale Partei, welche die Oberschicht des deutschen Bürgertums repräsentiert, hatte zur Zeit ihrer Herrschaft durch die Staatsgrundgesetze, in denen die Gleichberechtigung aller Nationalitäten akademisch ausgesprochen war, die Begehrlichkeit der Slaven geweckt, zugleich aber verabsäumt, den materiellen Bedürfnissen der unteren Schichten, des Kleinbürgertums, der Landbevölkerung und des Proletariats Rechnung zu tragen. Als nun zur selben Zeit, in der in Deutschland die große nationälliberale Partei ausgeschaltet wurde und Bismarck gegen Lasker die antisemitische Note anschlug, die Deutschen im österreichischen Parlament in die Minderheit gebracht und der berüchtigte „eiserne Ring" aus Czechen, Polen, Feudalen und Klerikalen gebildet wurde, flammte die Entrüstung der Deutschen mächtig auf, und diese Stimmung fand ihren Ausdruck durch Schönerer, der die Jugend an sich riß und durch Nachbetung des antisemitischen Schlagwortes auch die große Masse der Halbgebildeten für das deutschnationale Programm gewann. So entstand der Rassenantisemitismus, der ursprünglich deutsches Jmportwesen war. Schönerer predigte § den Kampf gegen Rom und Juda! Als aber die feudal-klerikalen Kreise die unerwartete Wirkung des Hep-Hep-Ruses sahen, bemächtigten sie sich rasch der neuen Strömung und lenkten so das Gewitter von den Grasenschlössern, den Stiften und Klöstern aus die armseligen Judenhäuser ab. Die Klerikal-Feudalen fanden den richtigen Mann in dem Jesuitenzögling Prinzen Liechtenstein, der ursprünglich die. steirischen Bauern im Parlament vertreten hatte, jetzt aber das kühne Wagnis unternahm, mit Hilfe der unzufriedenen kleinbürgerlichen Schichten auf antisemitischer Grundlage die Reichshauptstadt zu stürmen. Er wurde gegen den alten Demokraten Kronawetter gewählt, und nun schwenkte unter Luegers und Geßmanns Führung der größte Teil der Wiener Demokraten in das christlich-soziale Lager hinüber. Das war der Anfang des klerikalen Antisemitismus, der Wiener