Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Zur Ostmarkenfrage
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 8 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. kleinen Städte und den Aufenthalt in ihnen zu erleichtern. Ich würde es für durchaus wünschenswert halten, daß unsre großen Organisationen, wie die Alliance, der Hilfsverein usw. von ihren großen Mitteln, die zumeist — mit leider allzu großer Berechtigung — ins Ausland fließen, einen Teil auch auf die soziale Not in den deutschen Ostmarken verwenden und dort einen Stamm gebildeter, junger Männer ansässig machen. Die Zahl der jungen Akademiker, die ohne ausreichende Beschäftigung und infolgedessen mit unzureichendem Erwerb sich in Berlin aufhalten, ist nicht gering. Auch hier könnte die ostmärkische Zentralstelle des Verbandes helfend eingreifen; an sie hätten die Gemeinden sich zu wenden, in denen die Niederlassung eines Arztes, eines Rechtsanwalts usw. erwünscht wäre/ und an sie hätten sich die Akademiker zu wenden, die gewillt sind, die Beschaulichkeit der Kleinstadt gegen das aufreibende Leben der großen Stadt einzutauschen und neben der Ausübung ihres Berufes auch für die jüdische Gemeinschaft zu wirken.?! Und es ist noch ein Weiteres, womit den Juden der Ostmarken geholfen werden könnte; man verzichte darauf, alle wohltätigen Anstalten in Berlin oder in der Umgegend von Berlin zu erbauen, sondern man errichte sie an "verschiedenen, schön gelegenen Städten der Ostprovinzen; auch hier sind Städte mit waldreicher Umgebung, mit guter Luft, und — mit guten Menschen! Durch eine gut besetzte Anstalt mit den Bedürfnissen ihrer Insassen würden die Juden der betr. Stadt wirtschaftlich gefördert, es würden, wenn Kinder in diesen Anstalten sich befänden, die vereinsamten, jüdischen Schulen wieder belebt werden, es würden durch Leiter und Lehrer solcher Anstalten gute Elemente nach dem Osten verpflanzt werden und so viel Segen gestiftet werden können. Ich verkenne nicht, die Schwierigkeiten, die der Verwirklichung obiger Anregungen im Wege stehen; aber die Schwierigkeiten sind zu überwinden, wenn der Wille da ist. Man möge zwar vieles, was unsere Lage bessern könnte, von der Regierung verlangen, das Beste aber, was uns helfen kann, das müssen wir selbst tun; das gilt auch von der „jüdischen Ostmarkenfrage".