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Im deutschen Reich · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. 4

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Ketten [Rezension]
Date
1910-01-01
Page
4 (sequence 4)
Language
German
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4 Im deutschen Reich. antisemitischen Bemerkung zu leiden. Kam irgendwie das Gespräch einmal auf Juden, so beeilte ich mich, mein Judentum hervorzuheben, und es ist selbstverständlich, daß dann dieses Thema sofort abgebrochen wurde. Ich kenne auch mehrere ehemalige Juden, die Offiziere geworden sind; es erscheint mir der Sachlage nach ganz ausgeschlossen, daß sich hieraus ein Konflikt, wie der geschilderte, ergeben könnte. Jedoch damit, daß die dramatische Handlung falsch ist, soll durchaus nicht gesagt werden, daß der zur Diskussion gestellte Konflikt an sich unmöglich wäre. Der Konflikt ist folgender: ein Jude hat Anlage und Neigung zum Offiziersberuf. Wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum kann er den gewünschten Lebenslauf in Preußen nicht gehen, weil Juden trotz der Kabinettsorder des Kaisers bisher nicht Offiziere geworden sind. Er hat mithin zu wählen zwischen seinem Judentum und zwischen dem Offiziersberuf. Hieraus wäre das Drama zu gestalten gewesen. Es hätte uns die inneren Vorgänge in der Seele dieses jungen Mannes zeigen müssen, statt dessen aber erfahren wir von diesen Vorgängen fast nichts, und darum verwerfe ich das Drama sowohl vom literarischen Standpunkt aus als auch bei seiner Prüfung in bezug auf die Lebenswahrheit des gezeichneten Konfliktes. Der Verfasser aber hat immerhin so ungewöhnliches Talent in der Bildung einiger Figuren gezeigt, daß ich den lebhaften Wunsch hege, bald ein reiferes Werk von ihm kennen zu lernen. Berlin, den 18. November 1909. Jon Lehmann. Zur Ostmarkenfrage. Von Alfred Marcus-Pinne. Mit dankbarem Interesse sind insbesondere die Juden der Ostmark den diesjährigen Verhandlungen auf der Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden gefolgt; war es doch ihre Sache, die dort geführt, waren es doch ihre Beschwerden, die dort vor der breiten Öffentlichkeit und besonders vor den Vertretern der Staatsregierung klargelegt wurden und waren es doch ihre Wünsche, die dort durch den Mund berufener Männer ihren Ausdruck fanden.

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