Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Ketten [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Im deutschen Reich. für das . eine gelten, gelten auch vielfach für das andere; was hier wahr ist, ist dort nicht falsch, und umgekehrt. Wenn die jüdischen Figuren dieses Dramas richtig geschildert sind, so nimmt auch der Jude das gleiche Interesse der Wahrheit daran wie der Literat, für den die Wahrheit der Kunst allein maßgebend ist, und den die dargestellten Verhältnisse sonst nicht berühren. Aber sowohl vom Standpunkt des Judentums als vom Standpunkt des Literaten aus muß ich gegen dieses Bühnenwerk, dessen Vorzüge ich am Anfang erwähnt habe, ganz erhebliche Bedenken geltend machen. Die Dichtung erzählt von einem jüdischen Einjährigen, dem Sohne gläubiger und streng nach dem Ritualgesetz lebender Eltern, der während des Pflichtjahres am Soldatenstande Freude empfindet und den Wunsch hegt, Offizier zu werden. Wie uns berichtet wird, ist er auch hierzu ungewöhnlich befähigt. Da aber nach den, in Preußen leider noch immer herrschenden Grundsätzen, ein Jude nicht Offizier werden kann, bringt er seine Religion seinem Berufe zum Opfer und läßt sich taufen. Das Unglück, die fast tödliche Verzweiflung der Eltern, die in allen diesen Verhältnissen vorkommenden Ritualgebräuche werden getreu geschildert, und bis dahin gehen wir durchaus mit dem Verfasser. Seine Kraft versagt jedoch, sobald er zur Wiedergabe der Offizierskreise übergeht. Angeblich soll das Regiment nicht wissen, daß der Held, Sigmund Lehmann, ein getaufter Jude ist. Die Herren Offiziere, insbesondere der Major, sind ausgesprochene Antisemiten. Als sie von der jüdischen Abstammung Lehmanns hören, beleidigen sie ihn, nachdem sie schon vorher in. seiner Gegenwart allgemein antisemitische Reden geführt haben. Der Vater aber und ein Freund des Hauses suchen den Sohn ausgerechnet in einer Gesellschaft auf, wo er mit den Offizieren seines Regiments und einigen karikierten. Zivilisten bei einer Sedanfeier versammelt ist. Der liebenswürdige junge Mann verleugnet zunächst die Bekanntschaft mit dem Verwandten des Hauses, kann aber schließlich nicht , umhin, seinen Vater-wiederzuerkennen'. Es kommt zur Auseinandersetzungzur Beleidigung. -Der Leutnant Lehmann sagt zu dem Grafen Sadeck „Schurke!", und Gras Sadeck antwortet mit „Feigling! Elender!".. Dieweil geht der gebrochene Väter nach Hause, setzt sich auf die Erde und hält, entsprechend der. Ritualvorschrift, die sieben Trailer-