Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Der Organismus des Judentums von Dr. Jakob Fromer [Rezension]
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 724 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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724 Im deutschen Reich. gleicht gewöhnlich einem Felde, auf welchem bald größere, bald kleinere Felsen unregelmäßig emporragen. Es ist eine beispiellose Raumverjchwendung getrieben, fortwährend, ohne daß es der Inhalt rechtfertigt, beginnt der Satz mit einer Zeile. Schon die erste Einleitung hat auf ihren zwei Seiten nicht weniger als 22 neue Absätze. Zeder größere Teil oder Abschnitt braucht zu seinem Titel ein volles Blatt, so daß schließlich eins auf etwa 20—25 Druckseiten kommt. Die letzten 65 Seiten namentlich leisten darin Glänzendes. Ebenso finden wir in dem Buche eine schier verwirrende Zahl von Titeln und Untertiteln, mehr als 250 habe ich gezählt. Eine wahre Spezialisierungsmanie herrscht vor. Das alles erschwert das Lesen sehr. Kaum sind einige wenige Borstellungen erweckt, so wird der Gedankenstrom durch einen leeren Raum oder durch eine Ueberschrift schroff unterbrochen. Dadurch wird der ruhige Genuß der Auseinandersetzungen fast zur Unmöglichkeit. Zuerst wird „die Struktur des Judentums" gezeichnet. Hierbei, erklärt der Verfasser, wolle er nicht wie die bisherigen Bearbeiter dieses Gebietes die rationalistische, sondern die empirisch-rationalistische Methode anwenden, welche bei den Naturwissenschaften in Geltung sei. Er zeichnet die Hauptcharaktere des Ghettos, um sie dann im biblischen Judentum wie in dem hellenistisch talmudischen Zeiträume, der ihm bis zur Gegenwart reicht, mehr oder weniger ausgeprägt wiederzusinden. Sind in dieser Abteilung die im Organismus des Judentums wirksamen Kräfte vorgesührt, so behandelt die zweite sein Zentralorgan, die jüdische Religionsliteratur. Sie zerfällt in eine schriftliche und mündliche Tora, welche charakterisiert werden, alsdann zieht die Entwicklung des talmudischen und rabbinischen Schrifttums an uns vorüber, und wir vernehmen über den Wert und die Benutzbarkeit des Talmuds Urteil und Erörterung. Der Anhang gibt zuerst eine Streitschrift über die Pharisäer und Sadduzäer, dann den Inhalt der Mischna und endlich ein Stück Talmudtext (Baba Kamma 2 a b, 3 ,a bj vokalisiert, wortgetreu und sinngemäß übersetzt, mit dem Raschikommentar in deutscher Sprache und der Goldschmidtschen Talmudübersetzung. Mit großen Erwartungen treten wir an den Abschnitt