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Im deutschen Reich · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. 710

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
[Ohne Titel]
Date
1909-12-01
Page
710 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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710 Im deutschen Reich. Dame in den Vorstand zu wählen, und er hoffe, daß die Frauen sich recht zahlreich den Aufgaben des Central-Vereins, die der Redner näher erörtert, zuwenden werden. Der Vorsitzende gibt sodann das Resultat der Mitgliederversammlung bekannt und erteilt hierauf Frl. Werner das Wort zu einem Vortrage über „Ausgaben der jüdischen Frau im öffentlichen Lebe n". Die Rednerin weist zunächst darauf hin, daß, wie der Mann/ so auch die Frau, der ja nunmehr auch die politischen Rechte eingeräumt sind, Pflichten gegenüber dem Staat habe. Ein Blick in die Geschichte der jüdischen Vergangenheit zeige, daß sich zu den verschiedensten Zeiten jüdische Frauen auf staatlichem Gebiete in hervorragender Weise betätigt haben. Die Rednerin verweist in dieser Beziehung auf die Gestalten einer Mirjam, Deborah, Hanna usw. Wir Juden, die wir niemals auf der Lichtseite, sondern stets auf der Schattenseite des^ Lebens standen, sind auf jedwede Stärkung angewiesen. Deshalb ist uns auch die Betätigung der Frau im öffentlichen Leben ganz besonders erwünscht. Der Dank der Frauen solle aber nicht in Worten, sondern in Taten bestehen. Auch für die jüdische Frau gelte der Wahlspruch des Central-Vereins: „Sich wehren bringt Ehren/' Auch sie soll unerschrocken helfen, jeden antisemitischen Angriff auf unsere rechtliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung abzuwehren. Notwendig ist vor allen Dingen die Hochachtung vor der Tradition, größere Zurückhaltung, Vermeidung des Ausdrängens in solchen Vereinen, in denen man die jüdische, Frau nicht wünscht, sondern sie nur etwa ihres Reichtums wegen duldet. Die jüdische Frau hat eigene Kulturarbeit zu verrichten; gering ist leider noch die Zahl derjenigen Frauen, welche Interesse haben für jüdische Dinge; viele sind noch immer fremd im eigenen Lager. Das soll und wird besser werden, wenn die Männer an uns Frauen tapfere Weggenossen finden. Die Rednerin wendet sich dann gegen die Behauptung, als ob die Aufgabe der jüdischen Hausfrau durch ihre Betätigung am öffentlichen Leben leide. Das solle und werde nimmer geschehen! Aufgabe der jüdischen Frau ist es, vor allen Dingen eine Priesterin des Hauses zu sein. Aber gerade die jüdische Mutter rönne ihre Kinder in erster Linie zu deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens erziehen. Sie könne ihren

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