Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Jud' und Preuß'
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 674 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 674 Im deutschen Reich. Ebenso wie der Jude ist auch der Preuße immer auf den Profit aus. Während aber der Jude im allgemeinen nur den Rebbach, der ihm Geld oder Geldeswert einbringt, sehnsüchtig wünscht, steckt ihn der Preuße in jeder Form ein. Er wendet z. B. alle möglichen Schliche an, um Einladungen zum Essen, zu Spazierfahrten, zu. Ausflügen, bei denen er natürlich freigehalten wird, zu ergattern. Wenn er so etwas will, dann ist er für den ruhigen Beobachter ein köstliches Objekt, weil er in-diesem Falle von der spezifisch preußischen Liebenswürdigkeit, die dem vernünftigen Süddeutschen so läppisch und ekelhaft süß vorkommt, nur so trieft. Mit Vorliebe spricht er dann im Diminutiv, redet nur mehr von Kindchen, Herzchen, Väterchen, Mütterchen, Schwesterchen, Tantchen, Onkelchen usw. Und mag er sonst noch so schnodderig sein, sobald es umsonst etwas zu essen und zu trinken gibt, wird er in der bewußten Manier „liebenswürdig". Da wird auch der Bayer, den er sonst nur als den inferioren Knödelbayern taxiert, zum „lieben Bayern". Besonders heiter und menschenfreundlich stimmt den Preußen die Aussicht auf geschenkten Sekt. Dann wird er fast wie ein .Kater, der Baldrian riecht. Auch hier ist eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Juden vorhanden. Auch der Jude schwätzt, wenn er etwas profitieren will, ununterbrochen drauf los; nur lobt er nicht den anderen, sondern sich selbst. Er versichert in einer Minute zehnmal, daß er ein ehrlicher und rechtlicher Mann sei und nur das Beste des anderen wolle. Der Jude verachtet die Angehörigen anderer Religionen und glaubt, daß er viel klüger sei als sie, und der Preuße sieht auf andere Nationen von oben herab. Nur er ist nach seiner Auffassung der Mensch in höchster Vollendung. Er besitzt wenigstens in seiner Phantasie die grüßte Quantität von Mut, Pflichttreue, Intelligenz, Fleiß und Patriotismus. Und weil er sich das einbildet, glaubt er das Recht zum Kommandieren zu haben und sieht in sich den Mittelpunkt der Welt. Er hält sich — um ein militärisches Bild zu gebrauchen — für den Feldmarschall der Menschheit, während er in Wirklichkeit nur der Feldwebel der Menschheit ist.