Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Der Antisemitismus in der deutschen Aerzteschaft
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 621 (sequence 5)
- Language
- German
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Namens änderun g en. 621 Einfluß möglich ist, müßten — auch jüdische Aerzte angestellt werden usw. Wenn die jüdischen Aerzte sich endlich aus ihrer Indolenz ausrassen würden, mit der sie bisher den ganz offenen antisemitischen Insulten ihrer Standesgenossen gegenübergestanden haben, dann werden sie, selbst auf die Gefahr hin, wirtschaftlich ihre eigenen Wege wandeln zu müssen, dabei nicht schlechter fahren, als es bisher geschehen ist*). m Namensänderungen. Seit seiner Begründung ist der Central-Verein bemüht gewesen, bei dem Kampfe ums Recht den schließlichen Erfolg seiner Bestrebungen dadurch zu sichern, daß er die deutschen Juden nicht nur zur Selbstzucht mahnte, sondern auch ihr durch langjährige Bedrückungen nahezu geschwundenes Selbstbewußtsein wieder aufzufrischen und zu kräftigen suchte, jenes Selbstbewußtsein, das fern von jeder Anmaßung lediglich im Bewußtsein bürgerlicher Pflichttreue und des berechtigten Anspruchs auf Rechtsgleichheit und Achtung wurzelt. Mit Genugtuung kann man jetzt feststellen, daß die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sich seitdem jedem Versuch gegenüber, sie wieder zu Heloten zu machen, nicht mehr als resignierte Dulder verhalten, sondern in einer Weise mannhaft wehren, die selbst entschiedenen Gegnern Achtung einflößt. Zu dieser entschlossenen Abwehr ungerechter Angriffe auf Juden und Judentum hat wesentlich die Ueberzeugung beigetragen, daß wir vollen Grund haben, unser Religionsbekenntnis hoch in Ehren zu halten, als Bekenner des reinen Monotheismus und Nachkommen derer, denen durch die Offenbarung, die Propheten und Psalmisten zuerst hehre geistige Güter zuteil wurden, die der ganzen KulturwelL zum Heile gereichen. 1) Nach unserer Wahrnehmung haben in letzter Zeit die Gegensätze an Schärfe verloren. Wir halten es für wünschenswert und nicht unwahrscheinlich, daß allmählich die besonnenen Elemente an Einsicht gewinnen, die von der Erkenntnis durchdrungen find, daß in einer Zeit schweren wirtschaftlichen Ringens dem Ärztestand konfessioneller Hader schwer schädigen muß, und in der Einigkeit sein Ansehen und seine Kraft begründet ist. (D. Red.)