Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. 617

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Der Antisemitismus in der deutschen Aerzteschaft
Date
1909-11-01
Page
617 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316779-2316789-2342386--19643-2342442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Antisemitismus in der deutschen Aerzteschast. 617 Der Antisemitismus in der deutschen Aerzteschast. Von vr. med. Edmund Werner- Berlin. Selbst in den Zeiten der bluttriefenden Glaubensverfolgungen, von denen uns die Geschichte erzählt, haben Kunst und Wissenschaft doch immer eine erfreuliche Vorurteilslosigkeit — selbstverständlich im jeweiligen Verhältnis zu dem kulturellen Niveau der Menschheit — erkennen lassen. Wenn wir Juden von Vorurteilslosigkeit sprechen, dann meinen wir — wie leicht erklärlich — die nicht an unsere Religion gebundene Anerkennung und Würdigung unserer Leistungen. Man sollte nun meinen, daß in der heutigen Zeit, wo die Menschheit aus den Höhen der Kultur und der Aufklärung wandelt, auch Kunst und Wissenschaft den Gipfelpunkt der Vorurteilslosigkeit erklommen haben müßten. Doch da verstummen die Gesetze der Logik vor den nackten Tatsachen; so herrlich weit haben wir es nicht nur nicht gebracht, sondern im Gegenteil, in erster Linie sind alle die großen Gebiete der Wissenschaft Tummelplätze antisemitischer Betätigung in theoretischer und praktischer Beziehung geworden. Viel Treffendes ist in dieser Hinsicht in der Zeitschrift des Central- Vereins schon geschrieben worden, und so wird es vielleicht zur Vervollständigung dieses Gebietes beitragen, wenn hier wieder einmal die Zustände im deutschen Aerztestande unter Berücksichtigung der antisemitischen Bewegung beleuchtet werden*). Ueber das Verhalten der medizinischen Fakultäten gegen die jüdischen Nniversitätsdozenten seien nur einige kurze Bemerkungen gestattet, da es sich hier mehr um verwaltungstechnische Angelegenheiten handelt, über die in dieser Zeitschrift schon wiederholt geschrieben worden ist. Erwähnt sei nur, daß es im ganzen deutschen Vaterlande im ganzen — zwei j ü dischc ordentliche Professoren der Medizin gibt, die überdies ihr Ordinariat seit mehr als 30 Jahren innehabeu. Seit jener Zeit ist also 0 Vergl. Heft 1 Jahrgang 1899, „Antisemitismus und Medizin". Von Dr. Jos. Lewy. Heft 2 Jahrgang 1903, „Die staatsbürgerliche Gleichberechtigung und die jüdischen Aerzte". Von On/Jos. Lewy.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.