Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Theorie und Praxis bei dem Vorsitzenden des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 559 (sequence 3)
- Language
- German
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Theorie und Praxis usw. 559 solche Tätigkeit mußte auf die Dauer selbst in dem „Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Berband" ernste Bedenken erregen. Noch ehe in dem von ihm geleiteten Verband etwas über Schacks Privatleben bekannt geworden, sind in Gruppenversammlungen und Preßäußerungen trotz der sommerlichen Ruhe und trotz des vermutlich von politischer Seite geübten Druckes immer vernehmbarere Stimmen laut geworden, welche erklärten, daß an die Spitze einer großen Vereinigung von Angehörigen des Handelsstandes ein Mann, der als Reichstagsabgeordneter jedem Verkehrs- und handelsfeindlichen Gesetz als Verbündeter des Bundes der Landwirte blindlings seine begeisterte Unterstützung leihen müßte, nicht gehöre. Das ihm von dem Vorstand des „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes" nach dem Bekanntwerden einer höchst zweideutigen Privatangelegenheit erteilte Vertrauensvotum ändert nichts an der Tatsache, daß auch in diesen Kreisen, nachdem zu den politischen Gründen auch noch persönliche hinzugekommen sind, das Vertrauen zu diesem Führer ernstlich erschüttert ist. Aehnlich verhält es sich mit den deutsch-sozialen Organisationen in den Provinzen, von denen keineswegs die Stellungnahme der Zentralleitung durchweg gebilligt, sondern eine weitere parlamentarische Tätigkeit Schacks selbst für den Fall nicht gewünscht wird, daß noch eine Klärung seiner Angelegenheit in der von seinen beiden Parteifreunden Raab und Lattmann offenbar erhofften Weise ermöglicht werden sollte. Schacks Auftreten war durch Un w ah r haftikeit gekennzeichnet. Man kann nicht in unserer Zeit der Oeffentlichkeit und Presse öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken; man kann auch nicht auf die Dauer die Wahrung der heiligsten Güter des deutschen Handelsstandes auf seine Fahne schreiben und den jüdischen Teil des angesehenen deutschen Handelsstandes vor dem Auslande als minderwertiges Menschenmaterial ausschreien, mit dem für jeden wahren Deutschen jede Gemeinschaft ausgeschlossen sei. Ebensowenig kann man öffentlich auf die Dauer den Sittenprediger spielen und heimlich Dinge anzetteln, die auf eine wüste Sinnlichkeit schließen lassen. Bei jeder Gelegenheit pflegte der beredte Vorsitzende des „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Berbandes" zu erklären, die Frauenarbeit habe im Handelsgewerbe keine