Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Theorie und Praxis bei dem Vorsitzenden des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 558 (sequence 2)
- Language
- German
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558 Im deutschen Reich. Der Reichstagsabgeordnete Amtsgerichtsrat Lattmann schreibt u. a.: „Schon jetzt lautet die Ansicht eines der ersten Sachverständigen: sehr schweres Nervenleiden, entstanden aus Überanstrengung. Doch ist es jetzt noch nicht am Platze, hier oder sonst in der Presse die ach so furchtbar traurigen Einzelheiten darzulegen. Es soll nichts vertuscht werden, nein, im Interesse-Schacks, seiner Familie und Freunde liegt es, völlige Klarheit zu schaffen, und das soll und muß dem Arzte und dem Gerichte gegenüber geschehen." Dabei wird es wohl sein Bewenden haben; es läßt sich erwarten, daß es den „Deutsch-Sozialen" gelingen werde, die Entscheidung über das Eisenacher Mandat hinauszuschieben. Gewonnen hätten sie dabei auch nicht viel, denn nach dem, was über den von ihnen krampfhaft über Wasser gehaltenen Mann in den letzten Wochen in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, wäre es für ihn und für seine Partei zweifellos besser gewesen, wenn 'er spurlos aus dem öffentlichen Leben verschwunden wäre. Wenn seine Freunde sagen: „Es soll nichts vertuscht werden!", ist dies eine nichtssagende Redensart; denn mit dieser Sache hat sich die Oeffentlichkeit schon so vertraut gemacht und haben die richterlichen Behörden sich bereits so eingehend beschäftigt, daß gar nichts mehr vertuscht werden kann. Es handelt sich auch gar nicht um einen Mann, von dem zu wünschen wäre, daß ihm die Möglichkeit gewährt würde, eine Tätigkeit fortzusetzen, die wenig geeignet war, Segen zu verbreiten. Der Abg. Raab, der in noch leidenschaftlicherer Weise seinen Parteigenossen in Schutz nahm, hat in der Eisenacher Bertrauensmännerversawmlung sich doch selbst dahin geäußert, daß er Schacks parlamentarische Tätigkeit als abgeschlossen betrachte, daß man die Gültigkeit des Mandats nur aufrecht erhalte, um Zeit zu gewinnen. Wilhelm Schack hat es verstanden, seit einem Jahrzehnt durch eine zügellose Agitation, welche unsere Leser kennen, den Antisemitismus in dem Handelsstande, dem er bisher fremd war, zu erwecken und die Gegensätze innerhalb des Standes dauernd zu vertiefen. Er hat es verstanden, in der politischen Werbearbeit für den Bund der Landwirte und den Rückschritt in jeder Form, insbesondere den Judenhaß als die dem heutigen Demagogen bequemste Waffe unverdrossen zu benutzen. Eine