Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 530 (sequence 8)
- Language
- German
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530 Im deutschen Reich. uns einen Vereinsbeitrag von 100 Mark übersandt und dadurch ihr dauerndes Interesse für unsere Bestrebungen bekundet. Den treuen Mitgliedern im fernen Lande herzlichen Dank und freundliche Grüße! * Briefkasten. G. M., Berlin. Von jüdischer Seite ist kaum auf die aufgetauchte tatsächlich unbegründete Behauptung, daß der neue Reichskanzler, Herr v. Bet h m an n-H o ll w e g jüd i s ch e r Abstammung sei, besonderer Wert gelegt worden. Ebenso gleichgültig konnten uns die antisemitischen Ausfälle der freikonservativen „Post" sein, mit der diese ihre Beweisführung für die christliche Abstammung des neuen Kanzlers verbrämte. Weit größeres Gewicht als auf die Abstammung des neuen Kanzlers ist auf seine Familientradition zu legen, die nichts weniger als antisemitisch ist. In der „Allgemeinen deutschen Biographie" Band 2, Seite 575 heißt es: „Als die Juden 1804 zur besseren Heranbildung ihrer Jugend eine Realschule (Philantropin) gebildet hatten, unterstützte Simon Moritz Bethmann dieselbe nicht nur pekuniär, sondern suchte auch in der christlichen Bevölkerung Interesse für diese Bestrebungen zu erwecken." Das als Privatdruck in nur 60 Exemplaren 1898 erschienene Werk „Simon Moritz v. Bethmann und seine Vorfahren" enthält unter anderen Privatbriefen einen vom 24. Januar 1818 datierten des damaligen Chefs des Hauses, in den: dieser anläßlich eines Streites zwischen dem Senat und den Juden in Frankfurt an einen in Paris weilenden Freund folgendes schrieb: „Wenn Herr James (Rothschild) mich einmal in Frankfurt besuchen wird, so wird er sich leicht überzeugen, daß ich weder Christennoch andere alberne D ü n k e l bei mir hege und keine V o r u r t e i l e gegen die achtbaren Juden habe. Amschel (Rothschild) den dummen Wahn zu nehmen, als wäre ich ein Gegner der Forderungen der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, soweit sie vernünftig sind, habe ich mich schon manchmal vergeblich bemüht. Nichts sollte ihn von dem schiefen Ungrund seiner Ansicht besser überzeugen, als daß ich vielmehr bei meinen christlichen Mitbürgern in