Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1909-09-01 · Heft 9 (September 1909) · p. 513

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 9 (September 1909)
Article
Berlin
Date
1909-09-01
Page
513 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316779-2316787-2342061--19424-2342168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Korrespondenzen. 513 mit den Worten schloß: „Uns zu Bundesgenossen des „-modernen Judentums" machen wollen, ist e i n guter W i tz , um deswillen allein schon wir unseren Lesern das Schreiben Herrn v. Bodelschwinghs nicht hätten vorenthalten dürfen. Dennoch möchten wir betonen, daß wir gegebenen Falles l i e b e r „m i t d e m m o d e r n e n I u d e n t u m" nach unserem Gewissen leben als mit der „Kreuz-Zeitung" es betäuben möchten." — Die „Freisinnige Zeitung" schreibt: „Ein häßlicher antisemitischer Angriff gegen jüdische Soldaten findet sich in der „Kreuzzt g.". Das Blatt nimmt Bezug auf die Verurteilung des französischen Hauptmanns Marix zu 1 Jahr Gefängnis und 100 Francs Geldstrafe wegen Ordens- und Beförderungsschwindeleien und meint, dieser Fall zeuge „wieder einmal" dafür, „daß die Erfahrungen, die Frankreich mit seinen jüdischen Offizieren macht, keineswegs gute sind". Zum Beweise dessen vermag aber das führende Blatt der Konservativen außer dem Hauptmann Marix nur noch den Schiffsfähnrich Ullmo und — Dreyfus zu nennen. Auch die „Kreuzztg." sollte wissen, daß die Anklage gegen Dreyfus wegen Spionage gemeiner Schwindel war und Dreyfus völlig rehabilitiert Wörden ist. Somit meint die „Kreuzztg." auf Grund von zwei Einzelfällen die sämtlichen französischen Offiziere jüdischer Religion beschimpfen zu dürfen. Und nicht nur die französischen. Das brave Blatt schreibt nämlich weiter: „Jedenfalls sprechen diese Vorkommnisse dafür, daß diejenigen Länder, in denen das Judentum bisher nicht zu Offiziersstellen zugelassen wurde, durchaus aus richtigem Wege damit sind und keinerlei Veranlassung haben, von ihrem Standpunkte abzugehen." In diesen Worten liegt indirekt die Behauptung, daß die Juden durchweg oder mindestens zum größten Teil moralisch defekt seien. Eine solche Anschuldigung wagen unter den Antisemiten höchstens nur die Parteigänger des Dreschgrafen. Man würde mit Leichtigkeit der „Kreuzztg." nicht nur zwei, sondern ein Dutzend christlicher deutscher Offiziere namhaft machen können, die sich gemeiner Vergehen oder Verbrechen schuldig gemacht haben. Wie würde es das konservative Blatt aufnehmen, wenn man daraufhin den gesamten deutschen Ofsiziersstand in Bausch und Bogen verurteilen wollte?"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.