Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Berlin
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 510 (sequence 2)
- Language
- German
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510 Im beut fegen Reich. sich beut Central-Äerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens als Mitglied anzuschließen, aber er empfand die wärmste Sympathie für unsere Bestrebungen, hat diese nicht nur wiederholt als Vortragender in einigen Versammlungen lebhaft bekundet, sondern auch als Redakteur der „Allg. Ztg." das Judentum bei jeder Gelegenheit zu fordern gesucht. Unser herzlicher Dank folgt ihm in die Ewigkeit nach! — Bei der am 2b. Juni 1909 im Mozartsaale zu Berlin stattgefnndenen Gedächtnisfeier für I)r. Theodor Barth hat der erste Vorsitzende unseres Vereins, Herr I u ft i z r a t Dr. Horwitz, folgende Ansprache gehalten: „Wo Zeugnis abgelegt wird von der Verehrung und Dankbarkeit, die Dr. Barth überall tveäte, wo er wirkte, da muß auch der deutsche Jude zu Worte kommen. Ein Mann von höchster Rechtlichkeit, ein Mann, der sich dazu erzogen hatte, die höchsten Ansprüche an andere zu stellen, aber die allerhöchsten an sich selbst, konnte Theodor Barth nicht anders, als den Menschen nach seinem wahren Verdienste zu werten, von den Menschen nur den zu achten, der verdiente, ein Mensch zu sein. Für ihn gab's nicht Standes-, nieht Klassenunterschiede. Es mochte einer hochgeboren sein, er wertete ihn als Lump, wenn er ein Lump war. Und es konnte einer aus der tiefsten Tiefe stammen, ihm stand er hoch, wenn er nur selbst sich dessen würdig erwies. Ein Mann dieser Art mußte in den Kamps eintreten, wo ungerecht unterdrückt wurde. Ein Mann, wie Barth, wurde mit Recht für würdig befunden, der Nachfolger von Männern zu werden, die wie Gneist und Nicker t für wahre Menschenliebe, für wahre Humanität gestritten haben. Theodor Barth ist zum Vorsitzenden des Vereins zur Abwehr des Antisernitisraus gewählt - worden, als über Heinrich Rickert das Grab sich leider zu früh geschlossen hatte. -Er ist, würdig der großen Vorbilder, die vor ihm an dieser Stelle gewirkt haben, eingetreten in den Kampf für diejenigen, die'nicht seines Glaubens waren. War der Mensch gut, so galt er ihm als gut, gleichviel, ob er vor dem Papste die Kniee beugte, der Landeskirche angehörte, oder ob er seinen Gott in der Synagoge verehrte. Der Mensch war ihm alles. Wer ihm sich als wahrer Mensch erwiesen hatte, der war in seiner Achtilng fest begründet. Auch in dieser Richtung hat Barth den Sieg der gerechten Sache nicht erlebt.