Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 509 (sequence 15)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 509 semitenblätter aus den Vorgängen in Rußland den Schluß ziehen, daß die Juden „die Träger der Revolution" seien. Sie sind dort wie überall, wo man ihnen ein menschenwürdiges Dasein gönnt, ebenso treue Bürger ihres Staates wie treue Bekenner ihres Glaubens. Der Antisemitismus ist dagegen überall die Vorfrucht der Anarchie, denn er schafft nur Unzufriedene. Die monarchische und religiöse Tünche antisemitischer Parteiprogramme bröckelt sofort ab, sobald es sich darum handelt, unter eigenen Opfern die Pflicht gegen das Vaterland zu erfüllen. A. L. V Korrespondenzen. + Berlin, 20. August. Dr. G u st a v Karpeles, der seit längerer Zeit herzleidend war und deshalb das Bad Nauheim aufgesucht hatte, wurde dort am 21. Juli durch einen Herzschlag plötzlich dahingerafft. In Eiwanowitz in Mähren 1848 geboren, studierte Karpeles in Breslau Theologie und Literaturgeschichte; er war dann sechs Jahre lang Feuilletonredakteur der „Breslauer Zeitung", leitete 1878 in Berlin „Westermanns Monatshefte", zuletzt bis an sein Ende die „Allgem. Zeitung des Judentums", und setzte daneben seine literarhistorischen Forschungen fort. Auf seinem Spezialgebiete, der Heine - Fo r schung, leistete Karpeles Bedeutendes. Als Herausgeber von Jehnda Halevis „Divan", Verfasser einer wertvollen Geschichte der jüdischen Literatur und einer „Allgemeinen Geschichte der Literatur" hat sich Karpeles ein bleibendes Verdienst erworben. Ein noch größeres Verdienst erwarb sich der Dahingeschiedene um das Judentum durch die Begründung des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte u n d L i t e r a t u r, einer Organisation, durch welche die Tätigkeit unseres Central- Vereins in wirksamer und segensreicher Weise ergänzt wird. Der Verstorbene war nicht nur ein Mann von seltenem Fleiß und weitumfasfendem Wissen, sondern auch von seltener Herzensgüte, der viele Strebende uneigennützig gefördert hat und jedem gefällig war, der sich ihm bittend nahte. Als Oesterreicher war er nicht in der Lage,