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Im deutschen Reich · 1909-09-01 · Heft 9 (September 1909) · p. 508

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 9 (September 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-09-01
Page
508 (sequence 14)
Language
German
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508 Im deutschen Reich. vertrat, ist kürzlich plötzlich verstorben, aber das von ihm in Petersburg begründete, von der Regierung als „patriotisch" betrachtete Blatt „Snamja" hetzt weiter. Der jetzige Herausgeber dieses Blattes, Dubrowin, erhielt zwar wegen des Artikels „Russenbank und Judenblut" kürzlich eine Geldstrafe von 3000 Rubeln, aber ein zweites von Kruschewan gegründetes Hetzblatt, „Drug", das vor dem letzten Osterfeste mit einer neuen Blutbeschuldigung gegen die Juden auftrat, blieb unbestraft. Daß der „Heilige Synod" den weiteren Verbleib seiner Mitglieder im „Verbände der echt russischen Leute" angesichts der Beschuldigung des Verbandsvorsitzenden Dubrowin an der Teilnahme an Mordtaten verboten hat, ist imnrerhin erfreulich, wenn auch dieses Verbot verspätet erscheint. Bon der Duma-Tätigkeit der letzten Tagung haben aber die Juden keinen anderen Vorteil gehabt, als daß ihre Lage nicht verschlechtert wurde. Ihr Wohnrecht ist nicht erweitert, die jüdischen Prozentnummern in den Schulen sind nicht abgeschafst, und gegen die schmachvollen Mißhandlungen ist kein hinreichender Schutz gewährt worden. Wenn in der Duma die Reaktionäre auf die Juden schimpften, schwiegen die „Oktobristen", nur selten und zaghaft traten die „Kadetten" für sie ein, für die „Sozialisten" aber war die Judenfrage Hekuba. Aus diesem Grunde ist von sachkundigen Juden in Rußland schon die Ansicht geäußert worden, daß, selbst wenn das russische Volk seine Freiheit erlangen sollte, die« russischen Juden kaum für die der allgemeinen Freiheit gebrachten Opfer hinreichenden Lohn erhalten würden. Daß sie bei der Hochflut der revolutionären Bewegung eine größere Rolle gespielt haben, als ihrem Anteil an der Bevölkerung zukommt, ist aber auch unzutreffend. Wie die „Zeitschrift für jüdische Statistik und Demographie" russischen Blättern entnommen hat, beträgt die Zahl der nach verschiedenen Gegenden verbannten russischen Politiker etwa 15 000, die dazu gehörigen Anhänger des jüdischen sozialistischen Bundes aber nur 450. Juden sind auch unter anderen politischen Parteien in Rußland anzutreffen; man nimmt aber an, daß auch unter dieser Voraussetzung ihr Prozentsatz an der politischen Bewegung in Rußland ihren Prozentsatz an der Gesamtbevölkerung kaum übersteigt. Es ist also eine pure Verleumdung, wenn unsere deutschen Anti-

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