Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 504 (sequence 10)
- Language
- German
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504 Im deutschen Reich. gentxums wird die Siegesfreude durch die Wahrnehmung vergällt, daß die katholischen Bolksparteiler sich mehr und mehr auf den Boden der „alten gesunden Opposition" stellen und selbst in solchen württembergischen Landesteilen wie in Oberschwaben, wo das Zentrum bisher auf unbedingte Heeresfolge rechnen konnte, unter Hinweis aus die drohenden wirtschaftlichen Nachteile gegen die „konservativ-klerikale Phalanx" Stimmung machen. Die „Germania", die als Organ der Zentrumspartei bei jeder Gelegenheit dieser ihre antisemitische Lymphe einzuimpfen sucht, nahm besonderen Anstoß daran, daß „ein jüdischer Redner" in der im „schwarzen Oberland", in Biberach abgehaltenen Landesversammlung der württembergischen Volkspartei die Tatsache hervorgehoben habe, daß die Zentrumssührer Gröber und Spahn den Konservativen die Branntweinliebesgabe dargebracht hätten. Noch aufgeregter äußerte sich aber die „Germania" über einen katholischen Volksparteiler, der Ausfälle über politisierende Geistliche gewagt hatte, und fügte hinzu: „Wenn die Volkspartei glaubt, mit solchen Reden im katholischen Oberschwaben neue Anhänger gewinnen zu können, so wird sie sich bei den nächsten Wahlen vom Gegenteil überzeugen können. Mit verschwindenden Ausnahmen hat sie beim katholischen Landvolk gründlich abgewirtschaftet." Mit derartigen Prophezeiungen ist es immer übel bestellt: in der Politik wird fast immer „das Unzulängliche Ereignis" und nichts ist zutreffender, als das Wort Shakespeares „Bereit sein, ist alles". Die liberalen Parteien werden jedenfalls gut tun, sich - frühzeitig für eine Wahlkampagne zu riisten, die sich um so heftiger gestalten wird, als es sich bei den nächsten Aerchstagswahlen wesentlich um die Wahrung kultureller Errungenschaften gegen die- Angriffe der Finsterlinge und der rücksichtslosesten Jnteressenpolitiker handeln wird. Daß diesmal die Mehrheit des deutschen Volkes unbeirrt das Rechte wählen wird, läßt sich hoffen, denn die erbitterten Aeußerungen der Rückschrittler beweisen nur, daß diese keineswegs sicher sind, wieder die Oberhand p gewinnen. Diesen Eindruck macht z. B.