Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 501 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 501 Der: erste Deutsche Bauerntag, der in den ersten Julitagen in Gnesen stattfand, zeigte zwar, daß die meisten Teilnehmer sich am Gängelbande des Bundes der Landwirte nicht m'eh-r wohlfühlen, sondern erkennen, daß die Interessen der Bauern ganz andere sind, als die der Großgrundbesitzer, aber doch noch ziemlich weit davon entfernt sind, sich freiheitlichen und vorurteilslosen Anschauungen zu erschließen. Die Stimmung war noch fast dieselbe wie in der am 17. Mürz d. I. ebenfalls in Gnesen abgehaltenen Ansiedlerversammlung, und nur schüchtern machte sich „ein gewisses freiheitliches Gefühl" geltend, von dem der Reichstagsabgeordnete Wachhorst de Wente in der Gnesener Versammlung sagte, daß mancher Bauer es sich von früher bewahrt habe und deshalb ungern in Organisationen hineingehe, in denen er bedrückt werde. Von einem Entschlüsse, künftig nicht mehr auf das konservativ-rückschrittliche Programm zu schwören, das eine Kluft zwischen breiten Schichten der Bevölkerung und der Landwirtschaft geschaffen hat, war aber noch nichts zu merken. Vielmehr erklärte der Landwirt Reinicke-Schlehen: „Wo unsere Interessen parallel gehen, gehen wir mit dem Bunde der Landwirte Hand in Hand, aber unsere besonderen Interessen wollen wir allein vertreten. Wir sind frei von jeder Parteipolitik, wollen niemals in den Armen des Herrn Ar o n s o h n liegen, aber wenn bei uns hier ein Freisinniger entdeckt wird, schadet das auch nicht. Man hat uns vorgeworfen, daß wir zwei nationalliberale Abgeordnete im Vorstand hätten. Wenn Dr. Hahn kürzlich im Reichstage dem Dr. Paasche die Hand gedrückt hat, kann man uns nicht übelnehmen, wenn wir mit solchen Männern Zusammengehen." Auf einer am 18. Juli in Graudenz ab gehaltenen abermaligen Versammlung des Bauernbundes wurde der von dem nationalliberalen Abgeordneten Sieg zum Ausdruck gebrachte Wunsch, jede Bekämpfung des Bundes der Landwirte zu vermeiden, von den Mitgliedern des Bauernbundes bejubelt. Das ist nicht die Haltung von Männern, die wirklich liberale Gesinnungen hegen und sich der Meinung erschließen, daß -bie Interessen der Landwirtschaft am besten gewahrt sind, wenn die Kluft zwischen Industrie und Landwirtschaft überbrückt wird. Als der freisinnige Abgeordnete Fegt er vor einigen Wochen auf dem