Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 500 (sequence 6)
- Language
- German
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500 Im deutschen Reich. Ihre Machtstellung verdanken die im Bund hex Landwirte zu einer Interessenvertretung zusammengeschlossenen preußischen Konservativen nicht nur der großen Ausdehnung des Großgrundbesitzes, sondern auch der Heeresfolge, die ihnen die von antisemitischen Knappen durch indenfeindliche Reden und Schriften in das Lager des Bundes der Landwirte hineingelockten bäuerlichen Massen geleistet haben, wo sie bisher für die von ihnen gebrachten Opfer kaum einen entsprechenden Gewinn erzielt haben. Was der Bauer durch die infolge der Aktionen des Bundes der Landwirte erhöhten Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse gewinnen konnte, ist ihm durch die Verteuerung seiner eigenen Bedürfnisse wieder entzogen worden; dazu verlor er in vielen Fällen die politische und gesellschaftliche Unabhängigkeit, die früher den Stolz des deutschen Bauern gebildet hatte, und wurde in bezug auf die Kreissteuern überall ungünstig gestellt, wo der Großgrundbesitz seinen Einfluß geltend machte. Professor Heidenheim in Marienburg hat bei der Tagung der ost- und westpreußischen Hausbesitzervereine nachgewiesen, daß nur in den Landesteilen, in denen die Industrie reich entwickelt ist oder die eigentlichen Bauern das Gepräge der Landwirtschaft bestimmen, die Kreissteuern niedrig sind, aber überall, wo das Großagrariertum das Heft in der Hand hat, diehöchste Höhe erreichen. Von den 35 Kreisen Ostpreußens gibt es keinen, der unter 70 0/0 Zuschläge erhebt, aber 11 Kreise erheben 100, 10 über 100 0/0. Derartige Wahrnehmungen mußten viele intelligente Bauern naturgemäß auf den Gedanken bringen, die Vertretung ihrer Interessen nicht länger den Großgrundbesitzern, die in dem Bunde der Landwirte das große Wort führen, zu überlassen, sondern selbst zu übernehmen. Ob aber von der im Gange befindlichen selbständigen Bauernbewegung eine Lossagung von dem Bunde der Landwirte zu erwarten ist, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Die Ernennung des Dr. Böhme, eines Deutsch-Sozialen, der bisher vielfach für das Agrariertum wirkte, zum Generalsekretär des Bauernbundes, zeigt, daß in diesem die agrarischen Elemente nicht überwunden sind. Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten!